5
Jahr aus Jahr ein bei Jedermanns Bekannten Geld vorgt und herumbettelt; der denen, ſo Geld beſitzen, Mittel in Hülle und Fülle an die Hand gibt, das Recht zu Tode zu hetzen; der Finanzen, Geduld, Muth, Hoff⸗ nung dermaßen erſchöpft, die Köpfe dermaßen verwirrt und den Leuten das Herz dermaßen bricht, daß unter ſeinen practicirenden Rechtsgelehrten ſich auch nicht ein ehrenhafter Mann befindet, der nicht die Warnung er⸗ gehen laſſen moͤchte,— der dieſelbe nicht oft wirklich ergehen läßt:„Lieber alles Unrecht dulden, das Einem zugefügt werden kann, als hieher kommen!“
Wer befindet ſich an dieſem düſteren Nachmittage im Saale des Kanzleigerichts, wenn wir den Lord⸗Kanzler, den den Proceß führenden Advocaten, zwei oder drei Advocaten, die nie einen Proceß zu führen haben, und die vorerwähnte Procuratoren⸗Menge abrechnen? Es iſt der unter dem Richter ſitzende Regiſtrator, mit Perrücke und Robe; ferner einige Amtsſtäbe, oder Schreiber, oder Caſſtere, oder welches immer ihre Titel ſein mögen. Alle dieſe gähnen und gähnen, denn es fällt auch nicht eine Krume des Scherzes von Jarndyce und Jarn⸗ dyce(dem Proceſſe, der eben verhandelt wird) ab, ſintemal derſelbe ſeit einer ſo langen Reihe von Jahren total ausgepreßt worden iſt.
Nie fehlt es, daß die Geſchwindſchreiber, die Be⸗ richterſtatter des Gerichtshofes, ſowie die Berichterſtatter der Zeitungen mit den übrigen, regelmäßig anweſenden Perſonen ſich aus dem Staube machen, ſobald„Jarn⸗ dyce und Jarndyce“ an die Reihe kommt. Ihre Plätze ſind alsdann verödet.
Auf einem Stuhle an der Wand des Gerichtsſaales, — um in das durch Vorhänge geſchützte Heiligthum beſſer hineinſchauen zu können,— ſteht ein kleines, verrücktes altes Weibchen mit einem zerdrückten Hute: dieſe Perſon iſt zu jeder Zeit im Saale zu bemerken, von dem Augenblicke an, wo die Thüren aufgehen, bis


