Nieolaus Nickleby. 61
uͤbergehende Erleichterung zu verſchaffen ſuchte, als fuͤr eine Laune des Schlafes. Wenige— und dieſe waren unter den jüngſten der Kinder— ſchliefen ruhig mit ei⸗ nem Lächeln auf den Zügen und träumten vielleicht von der Heimath; aber von Zeit zu Zeit kündigte ein tiefer und ſchwerer Seufzer, der die Stille des Gemaches unterbrach, an, daß einer der Schläfer zu dem Elende eines neuen Tages erwacht war, und wie der Morgen an die Stelle der Nacht trat, wich allmälig das Lä⸗ cheln mit dem freundlichen Dunkel, welches daſſelbe her⸗ vorgerufen hatte.
Träume ſind die hellglänzenden Gebilde der Poeſie und der Sage, die zur Nachtzeit auf der Erde ſpielen und mit dem erſten Strahle der Sonne hinwegſchmel⸗ zen, welcher die bleiche Sorge und die ernſte Wirklich⸗ keit zu ihrer täglichen Wanderung durch die Welt er⸗ weckt.
Nicolaus ſah auf die Schläfer anfangs mit der Miene eines Menſchen, der ein Schanſpiel betrachtet, welches, obwohl täglich wiederkehrend, deshalb nichts von ſeiner ſorgenvollen Wirkung verloren hat; und dar⸗ auf mit geſpannterer und durchdringenderer Aufmerkſam⸗ keit, wie Jemand, der etwas vermißt, was ſein Auge gewohnt iſt zu finden und worauf es zu ruhen erwar⸗ tet hat. Er war noch in ſeiner Forſchung begriffen und hatte ſich in dem eifrigen Bemühen derſelben halb von ſeinem Bette erhoben, als ſich die Stimme des al⸗ ten Squeers an dem Fuße der Treppe vernehmen ließ.
»Heda,« rief dieſer Würdige,»wollt Ihr den gan⸗ zen Tag ſchlafen? Auf mit Euch!«
»Ihr faulen Hunde,« fügte Madame Saueers hin⸗ zu, die den Satz beendigte und dabei einen hellen Ton hervorbrachte, gleich jenem, der durch das Zu⸗


