erzählt zu werden, denn ich habe ſchon geſagt, daß ſie
Oliver Twiſt. 195
Lebenspfad das milde ſanfte Licht wirft, das Alle be⸗ leuchtet, die mit ihr gehen und in das Herz derſelben ſcheint;— ich möchte das Leben und die Freude im Kreiſe am Kamine und die heitere Gruppe im Sommer ſchildern; ich möchte ihr folgen über die heißen Felder zu Mittag und die leiſen Töne ihrer lieblichen Stimme auf ihren Gängen im Mondenlichte hören; ich möchte ſie ſehen, wie ſie mildthätig in die Wohnungen der Armen tritt, und wie ſie lächelnd und unermüdlich im eigenen Hauſe ihre Pflichten erfüllt; ich möchte beſchreiben, wie glücklich ſie und das Kind ihrer todten Schweſter durch gegenſeitige Liebe ſind, wie ſie Stundenlang bei einan⸗
der ſitzen und die Freunde ſich denken und ſchildern, die
ſie auf ſo traurige Weiſe verloren; ich möchte die fröh⸗ lichen kleinen Geſichter vor mir ſehen, die ſich um ihren Schooß drängen und ihr heiteres Geplauder hören; ich möchte das helle Lachen zurückrufen und die theilnehmende
Thräne heraufbeſchwören, die in dieſem ſanften blauen
Auge ſchwamm,— aber die Feder vermag ſolche Scenen nicht zu malen.
Wenn Brownlow den Geiſt ſeines angenommenen Sohnes jeden Tag mehr mit Schätzen der Kenntniß be⸗ reicherte und den Knaben lieber und lieber gewann, als der Charakter deſſelben ſich mehr und mehr entwickelte und der Saame gedieh, den er in ſeine Seele ſtreute; — wenn er in ihm neue Spuren von ſeinem Jugend⸗ freunde entdeckte, die in ihm alte, traurige zwar, aber doch wohlthuende Erinnerungen erweckten;— wie die
beiden Waiſen, die durch Unglück ſo hart geprüft waren,
ſeiner Lehren gedachten in Milde gegen Andere, in ge⸗
genſeitiger Liebe und innigem Danke gegen Ihn, der ſie
geſchützt und erhalten hatte,— Alles dies braucht nicht


