184 Oliver Twiſt.
es war als ſäße er in einer Todtenhalle voll Leichen,— der Strick, die Schlinge, die gefeſſelten Arme— die Ge⸗ ſichter, die er ſelbſt unter dem häßlichen Schleier er⸗ kannte!— Licht! Licht!
Endlich als er ſich die Hände an der ſchweren Thür wund geſchlagen hatte, erſchienen zwei Männer. Der Eine trug ein Licht, das er auf einen eiſernen Leuchter an der Wand ſteckte und der Andere zog eine Matratze herein, um darauf zu ſchlafen, denn der Gefangene ſollte nicht mehr allein gelaſſen werden.
Dann kam die Nacht,— die finſtere, ſchauerliche, ſtille Nacht. Andere, die wachen, hören mit Freuden die Glocken ſchlagen, denn ſie verkünden Leben und den nahenden Tag. Dem Juden brachten ſie Verzweiflung. Jeder Glockenton rief ihm zu— Tod!“ Was nützte ihm das Geräuſch und Getöſe des fröhlichen Morgens, das bis zu ihm drang? Es war nur eine andere Form des Grabgeläutes, vermiſcht mit Spott.
Der Tag verging,— Tag? es war kein Tag, kaum begonnen und ſchon wieder vorüber, und von neuem brach die Nacht an, die ſo lange und doch ſo kurze Nacht, ſo lang in ihrer grauenhaften Stille und ſo kurz mit ihren flüchtigen Stunden. Einmal raſete er und läſterte Gott, ein andermal wehklagte er und raufte ſich das Haar aus. Ehrwürdige Männer ſeines Glau⸗ bens waren gekommen, um mit ihm zu beten, aber er hatte ſie mit Flüchen vertrieben. Sie erneuerten ihre gutherzigen Bemühungen und er ſchlug nach ihnen.
Sonnabend Nacht; er hatte nun nur noch eine Nacht zu leben, und als er daran dachte, brach der Tag an,—
Sonntag.
Erſt in der Nacht dieſes letzten ſchrecklichen Tages drang
ſich das ängſtigende Gefühl ſeines hülflos verzweifelten
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