160 Oliver Twiſt.
war fürchterlich; die engen Gaſſen waren völlig ver⸗ ſtopft, und ſo wurde die unmittelbare Aufmerkſamkeit in dieſer kurzen Zeit von dem Mörder abgelenkt, ob⸗ gleich der allgemeine Wunſch, daß er möge ergriffen werden, wo möglich noch größer geworden war.
Der Mann war zurückgewichen, als er die unwillige Volksmenge und die Unmöglichkeit des Entkommens ſah, als er aber dieſe plötzliche Veränderung bemerkte, ſtand er wieder auf, feſt entſchloſſen, einen letzten Verſuch um ſein Leben zu wagen, indem er ſich in den Graben hin⸗ unterlaſſe, und, wenn er in dem Schlamme nicht erſticke, im Dunkel und in der Verwirrung ſich fortſchleiche.
Zu neuer Thatkraft angeſpornt und getrieben durch den Lärm im Hauſe, der ihm ſagte, daß man wirklich eingedrungen ſei, befeſtigte er das eine Ende des Stri⸗ ckes um den Schornſtein und machte von dem andern mit den Händen und den Zähnen in kaum einer Se⸗ kunde einen laufenden Knoten. Er konnte ſich mit dem Stricke bis auf etwa drei Ellen vom Boden hinunter⸗ laſſen und hielt das Meſſer in der Hand, um ihn dann durchzuſchneiden und ſich vollends hinunterfallen zu laſſen.
In demſelben Augenblicke, als er die Schlinge über den Kopf zog, ehe er die Arme durchgeſteckt hatte, und als der alte Herr, der ſich feſt an das Geländer der Brücke anhielt und ſo ſeinen Standort behauptete, den Nächſtſtehenden zurief, der Mann werde ſich eben hin⸗ unterlaſſen, in demſelben Augenblicke ſah der Mörder hinter ſich auf das Dach, ſtreckte die Arme empor und ſtieß einen Schrei des Entſetzens aus.
„»Wieder die Augen!« rief er, dann wankte er, wie vom Blitze getroffen, verlor das Gleichgewicht und ſtürzte herab; die Schlinge befand ſich noch an ſeinem Halſe und die Laſt ſeines Körpers zog ſie ſchnell feſt zuſammen.


