48 Oliver Twiſt.
„Keinen Pfennig!« antwortete das Mädchen, mit einer abweiſenden Handbewegung.
„Verſchließen Sie Ihr Herz nicht gegen alle meine Bemühungen, Ihnen zu helfen,« ſagte Roſa.»Ich wünſche wirklich, Ihnen nützlich zu werden.«
»Am nützlichſten werden Sie mir ſein,« antwortete das Mädchen händeringend,»wenn Sie mir mein Le⸗ ben ganz nehmen könnten, denn der Gedanke an das, was ich bin, hat mir in dieſer Nacht mehr Kummer gemacht, als je vorher, und es wäre ſchon viel, ſtürbe ich nicht in derſelben Hölle, in welcher ich gelebt habe. Gott ſegne Sie, liebe Dame, und überſchütte Sie mit ſo großem Glücke, als Schande auf mir laſtet.«
Mit dieſen Worten und unter lautem Schluchzen ging die Unglückliche fort, während Roſa Maylie, über⸗ wältigt von der außerordentlichen Unterredung, die mehr einem flüchtigen Traume, als einem wirklichen Vorfalle glich, auf einen Stuhl ſank und ihre herumirrenden Gedanken zu ſammeln ſuchte.
Viertes Kapitel
enthält neue Entdeckungen, und beweiſt, daß eine Ueberraſchung, wie ein Unglück, ſelten allein kommt.
Ihre Lage war gewiß eine ſehr ſchwierige, denn wäh⸗ rend ſie eifrig wünſchte, den geheimnißvollen Schleier zu durchdringen, der über Olivers Geſchichte lag, mußte ſie doch das Vertrauen ehren, das das Mädchen, mit welchem ſie eben geſprochen, in ſie geſetzt hatte. Die Worte und das Weſen derſelben hatten Roſa's Herz er⸗
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