Oliver Twiſt. 189
»Ach, Sie meinen Oliver— den jungen Twiſt?« ſagte Bumble;»ich erinnere mich an ihn. Es gab kei⸗
nen verſtockteren jungen Böſewicht—«
»Von ihm will ich nichts hören, ich hörte, leider! ſchon genug von ihm,« fiel der Fremde ein,»ſondern von einer Frau, von einer Here, welche ſeine Mutter wartete. Wo iſt ſie?«
„»Wo ſie iſt?« antwortete Bumble, den der Grog ſpaßhaft gemacht hatte,„das dürfte ſchwer zu ſagen ſein. Hebammendienſte braucht es dort nicht, wo ſie iſt, und ſie wird alſo wahrſcheinlich ohne Dienſt ſein.«
»Was meinen Sie damit?« fragte der Fremde ernſt.
»Daß ſie im vorigen Winter ſtarb,« antwortete Bumble.
Der Mann ſah ihn feſt an, als er dieſe Antwort gehört hatte, und obgleich er ſeine Blicke lange nicht
abwendete, ſo wurden ſie doch allmälig ausdrucksloſer
und er ſchien in Nachdenken verſunken zu ſein. Eine Zeitlang war es nicht zu erkennen, ob ihn dieſe Nach⸗ richt erfreute oder betrübte, endlich aber athmete er freier auf, ſagte, es habe nicht viel zu bedeuten, und ſtand auf, als wolle er fortgehen.
Bumble war ſchlau genug, und erkannte ſogleich, daß ſich hier eine Gelegenheit finde, ein Geheimniß, das ſeine beſſere Hälfte beſitze, mit Nutzen an den Mann zu bringen. Er dachte an die Nacht, in welcher die alte Sarah ſtarb, denn dieſe war ihm, die Leſer wiſſen ſchon warum, merkwürdig geblieben; und ob⸗ gleich die damalige Frau Corney ihm nie etwas von


