Oliver Twiſt. 185
Er ging eine Straße hinauf, und eine andere wie⸗ der hinunter, bis durch die Bewegung die erſte Heftig⸗ keit ſeines Kummers gemindert war; aber dieſe Ge⸗ fühlsumwandlung machte ihn durſtig. Er ging vor vie⸗ len Wirthshäuſern vorbei und blieb endlich vor einem etwas verſteckt liegenden ſtehen, in dem ſich nur ein Gaſt befand. Es fing eben an, ſtark zu regnen und dies reifte ſeinen Vorſatz; Herr Bumble trat ein und beſtellte, als er an dem Schenktiſche vorüberging, et⸗ was Trinkbares.
Der Mann, der in der Stube ſaß, war groß, von dunkeler Geſichtsfarbe und trug einen großen Mantel. Er ſchien fremd und, nach der Ermattung in ſeinen Zügen, wie nach dem Staube an ſeinen Kleidungsſtü⸗ cken zu ſchließen, weit gegangen zu ſein. Er ſah den Herrn Bumble von der Seite an, nickte aber kaum mit dem Kopfe zur Erwiederung des Grußes.
Herr Bumble wußte, was er ſich ſchuldig war, und ſo trank er ſeinen Grog ſtill und las ſehr bedächtig die Zeitung.
Es geſchah jedoch,— wie das wohl oft geſchieht, wenn Leute unter ſolchen Umſtänden zuſammen kom⸗ men,— daß Herr Bumble bisweilen eine unwiderſteh⸗ liche Verſuchung fühlte, verſtohlen den Fremden anzu⸗ ſehen, die Augen aber ſogleich in Verlegenheit wieder niederſchlug, wenn er fand, daß der Fremde ihn eben auch verſtohlen anſehe. Bumble's Verlegenheit wurde noch geſteigert durch einen merkwürdigen Ausdruck in dem Auge des Fremden, das ſtach und funkelte, aber, auffallender als er je bemerkt hatte, Mißtrauen und Argwohn verrieth, und deshalb wirklich grauenvoll woar.


