Oliver Twiſt. 175
„»Jetzt kannſt Du gut ſchreiben,« ſagte Heinrich, in⸗ dem er ſeine Hand auf des Knaben Arm legte.
»Ich hoffe es, Sir,« antwortete Oliver.
»Vielleicht komme ich in langer Zeit nicht wieder nach Hauſe, und ich wünſche, Du ſchriebſt mir— viel⸗ leicht alle vierzehn Tage, einen Montag um den an⸗ dern; willſt Du dies thun?«
»Gern, Sir; ich werde ſtolz darauf ſein,« entgeg⸗ nete Oliver, über den Auftrag höchſt erfreut.
»Ich möchte wiſſen, wie— wie meine Mutter und Fräulein Maylie ſich befinden,« fuhr der junge Mann fort,»und Du kannſt einen Bogen voll ſchreiben, wo⸗ hin ihr ſpazieren geht, wovon ihr ſprecht, und ob Roſa — meine Mutter und das Fräulein glücklich und ganz wohl ſind. Verſtehſt Du mich?«
„»Ganz, Sir, ganz,« entgegnete Oliver.
»Aber ſage es ihnen nicht,« ſprach Heinrich, und er eilte ſchnell über dieſe Worte hin,»weil es meine Mutter ängſtigen würde und ſie mir dann öfterer ſchriebe, obgleich es eine Anſtrengung für ſie iſt. Laß es ein Geheimniß zwiſchen mir und Dir bleiben, und vergiß nicht, mir ja Alles zu ſchreiben; ich verlaſſe mich darauf.«
Oliver, der ſich durch ein Gefühl ſeiner Wichtigkeit hoch erhoben und geehrt fühlte, verſprach, verſchwie⸗ gen und in ſeinen Mittheilungen genau zu ſein, und Herr Maylie nahm mit der Verſicherung ſeiner Liebe und ſeines Schutzes Abſchied.
Der Doktor ſaß bereits im Wagen; Giles(der zu⸗ rückbleiben ſollte), hielt den Kutſchenſchlag und die Mägde ſtanden nachſehend im Garten. Heinrich warf noch einen flüchtigen Blick nach dem Fenſter hinauf und ſprang in den Wagen.


