Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

172 Oliver Twiſt.

Roſa, bei meiner ewigen, glühenden Liebe, bei allem, was ich um Dich gelitten habe, und bei allem, was ich nun leiden ſoll, antworte mir auf dieſe Frage.«

» Nun, wäre Dein Schickſal ein anderes,« erwie⸗ derte Roſa,»ja, ſtändeſt Du nur ein wenig, nicht ſo hoch über mir, hätte ich Dir eine Gehülfin und Trö⸗ ſterin ſein können in beſcheidenem ſtillen Leben, und nicht eine Schande und ein Hinderniß in der großen Welt, ſo würde ich dieſe Prüfung nicht zu beſtehen nöthig gehabt haben. Ich habe jetzt alle Urſache, glucklich, ſehr glücklich zu ſein; in jenem Falle aber, Heinrich, würde ich glücklicher geweſen ſein.«

Erinnerungen von früheren Hoffnungen, die ſie längſt als Mädchen gehegt, beſtürmten Roſa's Herz während dieſes Geſtäudniſſes; aber ſie brachten Thränen mit ſich, wie alle früheren Hoffnungen, wenn ſie gebeugt zuruͤck⸗ kehren, und ſie erleichterten ihr Herz.

»Ich kann dieſe Schwachheit nicht abhalten und ſie beſtärkt meinen Vorſatz,« ſagte Roſa, indem ſie ihre Hand ausſtreckte.»Ich muß Dich nun verlaſſen.«

»Um ein Verſprechen bitte ich,« ſprach Heinrich. »Noch einmal, nur noch einmal in einem Jahre vielleicht, oder auch viel früher laß mich noch ein⸗ mal mit Dir darüber ſprechen, zum letzten Male.«

»Nicht um in mich zu dringen, meinen gerechten Vor⸗ ſatz zu ändern,« erwiederte Roſa mit einem traurigen Lächeln;»es würde vergebens ſein.«

»Nein,« ſprach Heinrich,um die Wiederholung zu hören, wenn Du es willſt, die letzte Wiederholung. Ich will die Stellung und das Vermögen, die ich viel⸗ leicht beſitze, zu Deinen Füßen legen und dann, wenn Du auch bei Deinem jetzigen Vorſatze bleibſt, weder