162 Oliver Twiſt.
bewegte,— und doch ſchlief er. Plötzlich änderte ſich die Scene, die Luft wurde dumpf und ſchwül, und er glaubte mit Schrecken, wieder in dem Hauſe des Inden zu ſein. Da ſaß der häßliche alte Mann in dem ge⸗ wöhnlichen Winkel, wies auf ihn und flüſterte mit einem andern Manne, der mit abgewandtem Geſichte bei ihm ſaß.
„Still, Freund!« glaubte er den Juden ſagen zu hören;»er iſt es gewiß. Komm fort!«
»Er!“ ſchien der Andere zu antworten;»denkſt Du, ich könnte ihn verkennen? Wenn tauſend Teufel ſeine Geſtalt annähmen und er mitten unter ihnen ſtände, ſo würde mir doch immer etwas ihn ausfindig machen helfen. Begrabt ihn funfzig Fuß tief und führt mich über ſein Grab, ich werde es wiſſen, daß er da begraben liegt, wenn es auch kein Zeichen oben verräth.«
»Der Mann ſchien dies mit ſo furchtbarem Haſſe zu ſprechen, daß Oliver durch die Furcht geweckt wurde und auffuhr.
Gütiger Gott! Was drängte ſein Blut nach dem Herzen, was benahm ihm die Kraft zu ſprechen und ſich zu bewegen? Da— da— an dem Feuſter— dicht vor ihm— ſo dicht, daß er ihn faſt hätte berühren können, dehe er zurückfuhr,— in das Zimmer herein ſehend und ſeinen Blicken begegnend— ſtand der Jude!— und neben ihm, blaß vor Wuth oder Furcht oder beiden, die boshaften Züge deſſelben Mannes, dem er in dem Hofe des Wirthshauſes begegnet war.
Es war nur ein Augenblick, ein Blick und fort wa⸗ ren ſie. Aber ſie hatten ihn erkannt und er ſie, und
ihr Ausſehen hatte ſich ſeinem Geiſte ſo feſt eingeprägt,
als wäre es tief in Stein gegraben und als hätte er es von ſeiner früheſten Jugend an vor ſich gehabt. Einen


