Eine Bitte in der Marſhalſea. 145
Korb am Arme wie ehedem, und ganz entzückt vor ſich hin⸗ lachend.
„Erſt geſtern bin ich mit meinem Bruder in London an⸗ gekommen. Ich ſchickte faſt unmittelbar nach unſrer Ankunft zu Mr. Plorniſh, um mich nach Ihnen zu erkundigen, und Sie meine Ankunft wiſſen zu laſſen. Da hörte ich, daß Sie hier wären. Haben Sie vielleicht an mich in der Nacht gedacht? Ich glaube faſt, daß Sie ein Wenig an mich gedacht haben müſſen. Ich habe an Sie ſo angelegentlich gedacht, und es dauerte ſo lange, ehe der Morgen kam.“
„Ich habe an Sie gedacht“— er ſtockte aus Verlegen⸗ heit, wie er ſie nennen ſollte. Sie bemerkte es ſogleich.
„Sie haben mich noch nicht bei meinem rechten Namen genannt. Sie wiſſen, wie ich ſtets bei Ihnen heiße.“
„Ich habe an Sie gedacht, Klein Dorrit, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, ſeit ich hier bin.“
„Wirklich? wirklich?“
Er ſah die helle Freude auf ihrem Geſicht, und die Röthe, die darüber aufflammte, mit einem Gefühl der Be⸗ ſchämung. Er, ein zu Grunde gerichteter, banquerotter, kranker, entehrter Gefangener.
„Ich war ſchon hier, ehe das Thor auf war, aber ich fürchtete mich, geradenwegs zu Ihnen zu kommen. Das hätte im erſten Augenblick mehr geſchadet als genützt; denn das Gefängniß kam mir ſo vertraut und doch ſo fremd vor, und rief mir ſo viele Erinnerungen an meinen armen Vater und auch an Sie zurück, daß ich Anfangs ganz überwältigt davon
Klein Dorrit. IX. 10


