Raths erholen. 143
ſchäftigt, andere Leute dächten daran, wenn er mit ihnen ſpricht. Der Onkel, meine Liebe, iſt ganz unpräſentabel. Obgleich ein gutes Herz, das ich zärtlich liebe, iſt Onkel doch in ſocialer Hinſicht affrös. Edward iſt ſchrecklich verſchwen⸗ deriſch und liederlich. Ich will nicht ſagen, daß dies an und für ſich ungentil iſt— weit entfernt davon— aber ich meine, daß er es nicht geſchickt macht, und daß er, wenn ich mich ſo ausdrücken darf, in der Art liederlichen Ruf's, den er ſich erwirbt, nicht genug für ſein Geld bekommt.“
„Der arme Edward!“ ſeußzte Klein Dorrit mit der gan⸗ zen Familiengeſchichte in dem Seufzer.
„Ja. Und auch Du Arme und ich Arme,“ entgegnete Fanny, nicht ohne einige verhaltene Schärſe.„Sehr wahr! Ferner, meine Gute, haben wir keine Mutter und wir ha⸗ ben eine Mrs. General. Und ich ſage Dir noch einmal, mein Schatz, dieſe Mrs. General iſt, wenn ich ein gewöhn⸗ lich Sprichwort umkehren und auf ſie anwenden darf, eine Katze in Handſchuhen, welche Mäuſe fangen wird. Dieſes Weib, davon bin ich feſt und ſicher überzeugt, will unſere Stiefmutter werden.“
„Ich kann es mir kaum denken, Fanny—“
„Widerſprich mir darin nicht, Amy,“ unterbrach ſie Fanny,„weil ich es beſſer weiß.“ Das Bewußtſein, wieder heftig geweſen zu ſein, veranlaßte ſie abermals, die Stirn ihrer Schweſter zu betupfen und darauf zu blaſen.„Doch, um wieder auf die Sache zurückzukommen, Liebe. Es ent⸗ ſteht jetzt für mich die Frage(ich bin ſtolz, Amy, wie Du
Klein Dorrit. VII. 10


