80 Zwölftes Kapitel.
ihm auf die Knie, niederträchtiger und weniger zu entſchul⸗ digen, als der verthierteſte Wilde, der aus ſeiner Erdhöhle hervorkriecht, um in einem Stein oder einer Schlange die Gottheit ſeiner umnachteten Seele zu verſöhnen.
Noch mehr! Die Hohenprieſter dieſes Cultus ſahen den Mann als eine Verwahrung gegen ihre Niederträchtig⸗ keit vor ſich ſtehen. Die Menge betete auf das Wort an— obgleich immer beſtimmt wiſſend weshalb— aber die Die⸗ ner des Altars hatten den Mann beſtändig vor Augen. Sie ſaßen an ſeiner Tafel und er an der ihrigen. Beſtändig umſchwebte ihn ein Geſpenſt, welches zu dieſen Hohenprie⸗ ſtern ſagte:„Vertraut Ihr auf ſolche Zeichen und liebt Ihr dieſe zu ehren; dieſen Kopf, dieſe Augen, dieſe Art zu ſpre⸗ chen, den Ton und die Manieren dieſes Mannes? Ihr ſeid die Hebel des Umſchreibungsbureaus und die Regenten der Menſchheit. Wenn ein halb Dutzend von Euch ſich unterein⸗ ander zanken, ſo ſcheint die Mutter Erde keine anderen Regen⸗ ten gebähren zu können. Liegt Eure Befähigung in der über⸗ legneren Menſchenkenntniß, welche dieſen Mann ſich gefallen läßt, ihm huldigt und ihn anpreiſt? Oder wenn Ihr die Zeichen richtig beurtheilen könnt, die ich Euch ſtets vor⸗ führe, wenn er unter Euch tritt, beſteht alsdann Eure Be⸗ fähigung in Eurer größern Ehrlichkeit?“ Zwei ziemlich fa⸗ tale Fragen, die immer mit Mr. Merdle in der Stadt herum⸗ gehen; und es beſtand ein ſtillſchweigendes Uebereinkommen, ſie nicht laut werden zu laſſen.
Während ſich Mrs. Merdle auf dem Feſtlande befand,


