10 Achtes Kapitel.
trauendes Verlaſſen auf ihn färbten ſich in ſeiner Seele mit trüber Rückerinnerung: ſobald hatten ſie ſich unmerklich ver⸗ ändert und ſobald waren ſie mit andern geheimen Herzens⸗ anliegen in die Vergangenheit entrückt worden.
Als er ihren Brief empfing, war er ſehr gerührt, fühlte aber nichtsdeſtoweniger, daß ſie nicht blos durch die Ferne weit von ihm geſchieden war. Er wurde durch ihn klarer und ſchärfer die Stellung gewahr, welche ihm die Familie an⸗ wies. Er ſah, daß ſie ihn in ihrer dankbaren Erinnerung im Geheimen werth hielt und daß die Familie ihm mit dem Kerker und Allem, was dazu gehörte, grollte.
Neben dieſen Bildern von ihr, welche jeder Tag ſeines Lebens um ihn heraufbeſchwor, gedachte er ihrer auch in der alten Weiſe. Sie war ſeine unſchuldige Freundin, ſein zar⸗ tes Kind, ſeine liebe kleine Dorrit. Gerade die Veränderung ihrer Lebensverhältniſſe paßte merkwürdig mit der Gewohn⸗ heit zuſammen, die ſich von dem Abend, wo die Roſen fort⸗ ſchwammen, herſchrieb, ſich als einen viel älteren Mann zu betrachten, als er den Jahren nach war. Er betrachtete ſie in einer Weiſe, von der er nicht ahnte, daß ſie in ihrem Sichfernhalten, ſo liebevoll ſie war, unausſprechliche Qual für ſie ſein würde. Er beſchäftigte ſich in ſeinen Gedanken mit ihrem zukünftigen Schickſal und mit dem Gatten, den ſie einſt bekommen würde, mit einem Eifer, der aus ihrem Herzen den theuerſten Tropfen Hoffnung ausgepreßt und es gebrochen haben würde.
Seine ganze Umgebung trug dazu bei, ihn in der Ge⸗
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