128. Zwanzigſtes Kapitel.
dann feierlich, daß ſie das unglücklichſte Mädchen von der Welt ſei und wünſche, ſie wäre todt. Nach dieſem miſchten ſich in ihr Weinen Gewiſſensbiſſe und ſie ſtand auf und ſchlang ihre Arme um ihre Schweſter. Klein Dorrit ver⸗ ſuchte ſie zu hindern, etwas zu ſagen, aber ſie antwortete, daß ſie wolle, daß ſie müſſe. Darauf ſagte ſie wieder und immer wieder:„Bitte, verzeih mir, Amy,“ und„Vergieb mir, Amy,“ faſt ſo leidenſchaftlich als ſie geſagt, was ſie bedauerte.
„Aber wirklich, wirklich, Amy,“ nahm ſie ihre Rede wieder auf, als ſie ſich in ſchweßerlicher Eintracht Seite an Seite neben einander geſetzt,„ich hoffe und glaube, daß Du dies in einem andern Lichte geſehen haben würdeſt, wenn Du ein wenig mehr von der Geſellſchaft geſehen hätteſt.“
„Vielleicht, Fanny,“ ſagte die ſanfte Klein Dorrit.
„Siehſt Du, während Du zu Hauſe geblieben und dort ohne Murren eingeſperrt geblieben biſt, Amy,“ fuhr ihre Schweſter, allmälig wieder die Gönnermiene annehmend, fort,„bin ich draußen in der Welt geweſen, habe mich in der Geſellſchaft bewegt und mag da etwas ſtolz und hoch⸗ müthig geworden ſein— vielleicht mehr als ich ſollte.“
Klein Dorrit antwortete:„Ja. O ja!“
„Und während Du an das Nittagseſſen und an die Wäſche gedacht haſt, habe ich, wie Du weißt, an die Fa⸗ milie gedacht. Nun, kann das nicht ſo ſein, Amy?“


