Klein Dorrits Abendgeſellſchaft. 169
„Ich muß Ihnen erſt danken. Laſſen Sie mich zu Ihnen ſprechen, als ob ich wirklich ein Kind wäre.“
„Das können Sie nicht,“ ſagte das Weib.„Sie ſind gut und unſchuldig, aber Sie können mich nicht mit Kindesaugen anſehen. Ich würde Sie nie angerührt haben, wenn ich Sie nicht für ein Kind gehalten hätte.“ Und mit einem ſeltſamen wilden Aufſchrei ging ſie weg.
Es war noch kein Tag am Himmel, aber es war Tag in den widerhallenden Steinen der Straßen, in den Laſtwagen, Karren und Kutſchen, in den Arbeitern, die nach ihren ver⸗ ſchiedenen Beſchäftigungen ausgingen, in den frühzeitig ſich öffnenden Läden, in dem Verkehr auf den Märkten, in dem Lärm am Fluſſe hin. Es war Tagesanbruch in den flimmern⸗ den Lichtern, die eine mattere Farbe an ſich hatten, als ſie zu einer andern Zeit gehabt haben würden, Tagesanbruch in der ſchneidenden Luft und in dem geſpenſtigen Abſterben der Nacht.
Sie gingen wieder nach der Pforte zurück in der Abſicht, jetzt dort zu warten, bis ſie geöffnet würde. Aber die Luft war ſo rauh und kalt, daß Klein Dorrit, welche Maggy in ihrem Schlafe herumführte, in Bewegung blieb. Indem ſie um die Kirche herumging, ſah ſie Lichter da und die Thür offen und ging die Stufen hinauf und blickte hinein.
„Wer da!“ ſchrie ein ſtämmiger alter Mann, der ſich eine Nachtmütze aufſetzte, als ob er in einer Gruft zu Bett gehen wollte.
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