168 Vierzehntes Kapitel.
Das vermeintliche Kind hielt ſeinen Kopf niedergebückt und ſchmiegte ſich eng an Maggy's Seite.
„Das arme Ding!“ ſagte das Weib.„Haben Sie denn kein Erbarmen, daß ſie's in ſolcher Zeit wie dieſe hier in der unheimlichen Straße herumſchleppen? Haben Sie keine Augen, daß Sie nicht ſehen, wie zart und ſchwach ſie iſt? Haben Sie denn keinen Verſtand(Sie ſehen freilich nicht aus, als ob Sie viel hätten), daß Sie mehr Erbarmen haben mit dieſer kalten zitternden kleinen Hand?“
Sie war auf dieſe Seite hinübergegangen, hielt die Hand zwiſchen ihren beiden und rieb ſie.„Gieb einem ar⸗ men verlornen Geſchöpfe einen Kuß, Herzchen“, ſagte ſie, ihr Geſicht niederbeugend,„und ſage mir, wo ſie dich hin⸗ führt.“
Klein Dorrit wandte ſich ihr zu.
„Ei du mein Gott!“ rief ſie zurückfahrend aus,„Sie ſind ein erwachſenes Frauenzimmer!“
„Laſſen Sie ſich das nicht kümmern“, ſagte Klein Dor⸗ rit, indem ſie eine der Haͤnde erfaßte, die plötzlich die ihre losgelaſſen hatten.„Ich fürchte mich nicht vor Ihnen.“
„Dann wäre es beſſer, Sie fürchteten ſich,“ antwortete ſie.„Haben Sie keine Mutter?“
„Nein.“ A
„Keinen Vater?“
„Ja, einen Vater, den ich ſehr liebe.“
„Gehen Sie heim zu ihm und fürchten Sie ſich vor mir. Laſſen Sie mich fort. Gute Nacht.“


