. 166 Vierzehntes Kapitel.
wilden Flucht darüber hin fliegen— das war der Tanz bei Klein Dorrits Abendgeſellſchaft.
„Wenn es wirklich eine Abendgeſellſchaft wäre!“ dachte ſie einmal, als ſie ſo daſaß.„Wenn es hell und warm und ſchön wäre, und wenn es unſer Haus und mein armer guter Vater der Herr davon und nie innerhalb dieſer Mauern ge⸗ weſen wäre! Und wenn Mr. Clennam einer unſrer Beſucher wäre und wir nach einer fröhlichen Muſik tanzten und alle ſo heiter und wohlgemuth wären als wir nur ſein könnten — ich möchte wiſſen—“ Es öffnete ſich ihr eine ſolche ver⸗ wunderliche Ausſicht vor ihr, daß ſie ganz verloren in Stau⸗ nen da ſaß und nach den Sternen aufblickte, bis Maggy wieder klagte und aufzuſtehen und herumzugehen wünſchte. 3
Drei Uhr wurde es und halb vier Uhr, und ſie waren über die Londonbrücke geſchritten. Sie hatten den Andrang der Fluth gegen Hinderniſſe gehört, hatten mit Grauen durch den dunkeln Dunſt auf dem Strome hinabgeſchaut, hatten, wo die Lampen der Brücke ſich abſpiegelten, kleine Flecke erhellten Waſſers geſehen, die wie dämoniſche Augen mit einem furchtbaren Zauber für Elend und Schuld fun⸗ kelten. Sie waren ängſtlich vor heimathloſen Leuten, die in Winkeln zuſammengekrümmt lagen, vorübergeſchlüpft, ſie waren vor Trunkenbolden davongelaufen. Sie waren 1 erſchrocken vor herumſchleichenden Menſchen, die ſich an den Ecken von Seitengäßchen einander pfiffen und Zeichen gaben oder aufs Eiligſte davon rannten. Obwol Klein Dorrit, jetzt einmal froh über ihr jugendliches Aeußere, überall die


