Teil eines Werkes 
2. Th. (1856)
Entstehung
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Klein Dorrits Abendgeſellſchaft. 165

gingen nach der geſchloſſenen Pforte und guckten durch ſie in den Hof.Ich hoffe, er ſchläft einen geſunden Schlaf, ſagte Klein Dorrit, indem ſie einen der Riegel küßte,und vermißt mich nicht.

Die Pforte war ihnen eine ſo gute alte Bekannte und glich ſo einer Geſellſchafterin, daß ſie Maggy's Korb in einen Winkel ſtellten, um ihn als Sitz zu brauchen, und indem ſie ſich eng aneinander ſchmiegten, einige Zeit dort ausruh⸗ ten. So lange die Straße leer und ſchweigſam war, hatte Klein Dorrit keine Furcht, aber wenn ſie einen Fußtritt in der Ferne hörte oder einen Schatten ſich zwiſchen den Stra⸗ ßenlampen hinbewegen ſah, fuhr ſie zuſammen und flüſterte: Maggy, ich ſehe Jemand kommen, Komm fort! Maggy pflegte dann mehr oder minder verdrüßlich aufzuwachen, und ſie wanderten ein wenig herum und kamen dann wieder zurück. So lange Eſſen etwas Neues und Vergnügliches war, hielt Maggy ſich ganz leidlich auf den Beinen. Als dieſe Periode aber vorüberging, fing ſie an über die Kälte zu klagen, fröſtelte und wimmerte.Es wird bald vorbei ſein, Herzchen, ſagte Klein Dorrit geduldig.O das iſt alles recht hübſch für Dich, Mütterchen, erwiderte Maggy,aber ich armes Ding erſt zehn Jahre alt. Klein Dorrit legte den ſchweren Kopf auf ihren Buſen und ſchläferte ſie ein wie ein Kind. Und ſo ſaß ſie an der Pforte gleichſam allein da, blickte nach den Sternen auf und ſah die Wolken in ihrer

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