Vierzehntes Kapitel.
mäßigen und bald darauf in eine Nebengaſſe abſchwenken. Er blieb ſtehen, empfand, daß er kein Recht habe weiter zu gehen und verließ ſie langſam. Er hegte keinen Verdacht, daß ſie irgend in Gefahr wären, bis zum Morgen im Freien bleiben zu müſſen, hatte keine Idee von der Wahrheit, bis lange, lange nachher.
„Das iſt eine gute Wohnung für Dich, Maggy,“ ſagte Klein Dorrit, als ſie vor einem ärmlichen Hauſe, das ganz in Finſterniß gehüllt war, ſtehen blieben, und an der Thür horchend kein Geräuſch drinnen hörten,„und wir dürfen keinen Grund zur Klage geben. Deswegen wollen wir blos zwei Mal klopfen und nicht ſehr laut, und wenn wir ſie ſo nicht erwecken können, müſſen wir bis zum Tagesanbruch herumgehen.“
Klein Dorrit klopfte ein Mal, indem ſie ſich in Acht nahm nicht zu laut zu ſein, und horchte. Sie klopfte zwei⸗ mal eben ſo bedächtig und horchte. Alles blieb ſtarr und ſtill.„Maggy, wir müſſen uns ſo gut drein fügen, als wir können, mein Herz. Wir müſſen Geduld haben und den Tag erwarten.“
Es war eine fröſtelnde, dunkle Nacht, und es wehte ein feuchter Wind, als ſie wieder in die Hauptſtraße kamen und die Thurmuhren halb Zwei ſchlagen hörten.„Nur noch fünf und eine halbe Stunde,“ ſagte Klein Dorrit,„dann werden wir heimgehen können.“ Von der Heimath zu ſpre⸗ chen und nach ihr, die ſo nahe war, hinzugehen und nach ihr zu blicken, war ein natürlicher Zuſammenhang. Sie


