Neuntes Kapitel.
ter der Zahlungsunfähigkeit war ein ſehenswürdiger Anblick. Solche fadenſcheinige Röcke und Hoſen, ſolche dumpfig riechende Kleider und Umſchlagtücher, ſolche zerknüllte Män⸗ ner⸗ und Frauenhüte, ſolche Stiefel und Schuhe, ſolche Regenſchirme und Stöcke waren auf dem Trödelmarkte nicht zu ſehen. Sie alle trugen die abgelegten Kleider anderer Leute, beſtanden aus Flecken und Flicken von anderer Leute Individualität— eine zuſammengeſchuſterte Exiſtenz, die nichts von eignem Gewüchs an ſich hatte. Ihr Gang war der Gang einer ganz beſondern Race. Sie hatten eine eigne Weiſe ſich verſtohlen um die Ecke zu drücken, als ob ſie in alle Ewigkeit zum Pfandverleiher gingen. Wenn ſie huſteten, ſo huſteten ſie wie Leute, die gewohnt ſind, auf Treppen⸗ ſtufen und in zugigen Gängen vergeſſen zu ſtehen und Ant⸗ wort auf Briefe in verblichener Dinte zu warten, welche den Empfängern ſolcher Geſchreibſel viel Seelenqual verurſach⸗ ten und keine Befriedigung gewährten. Als ſie den Fremden im Vorbeigehen betrachteten, betrachteten ſie ihn mit Augen, die um ein Darlehen baten— hungrig, gierig, voll Specu⸗ lirens auf ſeine Mildthätigkeit, für den Fall daß ſie bei ihm accreditirt wären, und auf die Wahrſcheinlichkeit, daß er etwas Geſcheidtes hergeben würde. Bettelhaftigkeit in Com⸗ miſſion bückte ſich in ihren hochgezogenen Schultern, ſchleppte ſich mit ihren ſchlotternden Beinen hin, zeigte ſich in den Knöpfen und Nadeln, den geſtopften Riſſen und den nach⸗ ſchleppenden Fetzen ihrer Kleider, ſcheuerte ihre Knopflöcher ab, lugte aus ihren Geſtalten in ſchmutzigen Endchen von


