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Hinter Schloß und Riegel. 175
ihrer Handlungen oder der ſeines Vaters auch nur entfernt dazu beigetragen hätte, die grauen Häupter der beiden Brüder ſo tief zu beugen?
Ein raſcher Gedanke ſchoß ihm durch den Sinn. Ob nicht ſeine Mutter zwiſchen dieſer langen Kerkerhaft hier und ihrer eigenen langen Beſchränkung auf ihr Zimmer eine Aehnlichkeit fand, die ſie letztere als ein Aufwiegen der erſteren anſehen ließ? Ich gebe zu, ließ er ſie abrechnen, daß ich Miturheberin der Einſperrung dieſes Mannes war. Ich habe dafür Aehnliches gelitten. Er iſt in ſeinem Gefäng⸗ niſſe, ich bin in meinem verdorben. Ich habe meine Strafe abgezahlt.
Als alle übrigen Gedanken erblichen waren, hielt dieſer ihn noch immer feſt. Als er endlich einſchlief, kam ſie vor ihn in ihrem Rollſtuhle und wehrte ihn mit dieſer Rechtfertigung ab. Als er erwachte und ohne Urſache erſchrocken emporſprang, ſo hörte er die Worte in ſeinen Ohren klingen, als ob ihre Stimme ſie langſam an ſeinem Kopfkiſſen geſprochen, um ſeine Ruhe zu ſtören:„Er ſchmach⸗ tet dahin in ſeinem Kerker, ich in meinem; die unerbittliche Gerechtigkeit hat ihren Lauf gehabt. Was bin ich hier noch ſchuldig?“
Ende des erſten Theiles.


