Die Tochter des Marſhalſea. 153
des Marſhalſea in ihrem zweiundzwanzigſten Jahre. Trotz einer noch immer lebendigen Anhänglichkeit an den elendigen Hof und Häuſercomplex, der ihre Heimath und Geburts⸗ ſtätte war, ging ſie jetzt ängſtlich dort aus und ein, indem ſie ein Gefühl jungfräulicher Scheu empfand, als ob Jedermann auf ſie zeigte. Seit ſie angefangen hatte außerhalb der Mauern zu arbeiten, hatte ſie es nothwendig gefunden, zu verhehlen, wo ſie wohnte und ſo geheim als möglich ihre Gänge einzurichten, die ſie zwiſchen der freien Stadt und den Eiſenthoren zu machen hatte, außerhalb deren ſie in ihrem Leben noch nicht geſchlafen hatte. Die ihr angeborene Schüchternheit war mit dieſer Heimlichkeit noch gewachſen, und ihr leichter Tritt und ihre kleine Geſtalt entgingen dem Gedränge in den Straßen, während ſie durch ſie hindurch⸗ ſchritt.
Voll Weltklugheit in Betreff der Erforderniſſe ihrer har⸗ ten und ärmlichen Umſtände, war ſie in allen andern Din⸗ gen voll kindlicher Einfalt und Unſchuld. Voll Unſchuld in dem Nebel, durch den ſie ihren Vater und das Gefängniß und den trüben unruhigen Strom von Leben ſah, der durch daſſelbe hindurch und weiter floß.
Dies war das Leben, und dies die Geſchichte von Klein Dorrit, die jetzt eben an einem düſtern Septemberabende nach Hauſe ging, während ſie aus einiger Entfernung von Arthur Clennam beobachtet wurde. Dies war das Leben und dies die Geſchichte von Klein Dorrit, die jetzt am Ende der London⸗Brücke ſich zur Seite wendete, wieder über die⸗
Klein Dorrit. 11


