Sonne und Schatten. 6
ohne den Gefängnißſchmuz auch ungewöhnlich weiß gewe⸗ ſen ſein.
Der andere Gefangene lag auf dem Steinpflaſter, bedeckt mit einem groben braunen Rocke.
„Steh auf, Du Schwein,“ brummte der Erſte.„Schlaf nicht, wenn ich hungrig bin.“
„s iſt Alles eins, mein Herrchen,“ ſagte das Schwein in unterwürfigem Tone und nicht ohne gute Laune.„Ich kann wachen, wenn ich will, und ſchlafen, wenn ich will, 's iſt Alles einerlei.“
Indem er dies ſagte, ſtand er auf, ſchüttelte ſich, kratzte ſich, knüpfte ſich ſeinen braunen Rock mit den Aermeln loſe um den Hals(er hatte ihn vorher als Decke benutzt) und ſetzte ſich gähnend auf das Steinpflaſter, ſo daß er ſich mit dem Rücken an die Wand gegenüber dem Gitter lehnte.
„Welche Zeit iſt es?“ fragte mürriſch der Erſte.
„Die Mittagſtunde wird ſchlagen in— in vierzig Mi⸗ nuten.“ Als er die kleine Pauſe machte, hatte er ſich in dem Raume des Kerkers umgeſehen, als ob er ſich genau über die Zeit verſichern wollte.
„Du biſt eine wahre Uhr. Wie kommt's, daß Du das immer weißt?“
„Ja wie kann ich das ſagen. Ich weiß immer, was die Uhr iſt und wo ich bin. Ich wurde bei Nacht hier hereinge⸗ bracht und aus einem Boote, aber ich weiß, wo ich bin. Sehen Sie hier! Das iſt der Marſeiller Hafen,“ er kniete dabei auf das Pflaſter und zeichnete Alles mit ſeinem ſonnen⸗


