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Sonne und Schatten. 7
durch ein Gitter von Eiſenſtangen, das wie ein ziemlich gro⸗ ßes Fenſter geformt war, und durch welches der Kerker ſtets von der düſtern Treppe in Augenſchein genommen wer⸗ den konnte, auf welche das Gitter hinausging. Dieſes Git⸗ ter hatte einen breiten ſtarken Sims, wo der untere Theil deſſelben in das Mauerwerk eingelaſſen war, drei oder vier Fuß über dem Boden. Auf dieſem Sims lehnte der eine der beiden Männer in halb ſitzender halb liegender Stel⸗ lung, indem er die Knie emporgezogen und ſeine Füße
und Schultern gegen die beiden gegenüber befindlichen Sei⸗
ten der Oeffnung geſtemmt hatte. Die Eiſenbarren waren weit genug auseinander, um ihm das Durchſtecken ſei⸗ nes Arms bis zum Ellbogen zu geſtatten, und ſo hielt er ſich der größern Bequemlichkeit halber in nachläſſiger Lage an.
Alles trug hier den Stempel des Kerkers. Die einge⸗ kerkerte Luft, das eingekerkerte Licht, die eingekerkerten feuchten Dünſte, die eingekerkerten Menſchen waren ſämmt⸗ lich durch die Einſperrung verdorben. Wie die Gefangenen abgezehrt und hohläugig waren, ſo war das Eiſen verroſtet, der Stein feucht, das Holzwerk verfault, die Luft beklem⸗ mend, das Licht trübe. Wie ein Brunnen, wie ein unter⸗ irdiſches Gewölbe, wie eine Gruft war der Kerker ohne Be⸗ wußtſein von dem hellen Sonnenſchein draußen und würde
ſeine verdorbene Atmoſphäre ungeſchmälert bewahrt
wenn auch die Gewürzinſeln des indiſchen Oceans e Thüre gelegen hätten.


