Druckschrift 
Leben und Abenteuer des Capitäns Singleton / von Verf. des "Robinson Crusoe". Aus d. Engl. von Carl Kolb
Entstehung
Einzelbild herunterladen

D 2 So⸗

Wenn ich dem Weibe glauben darf, welche ich Mutter zu nennen gelehrt wurde, ſo nahm mich, als ich ein kleiner zweijähriger Knabe war, an einem ſchönen Sommerabende ein Kindsmädchen, die mir abzuwarten hatte, unter dem Vorwande, mich in friſche Luft zu bringen, in die Felder von Islington*). Ich war gut gekleidet und hatte außer⸗ dem ein zwölf⸗ oder vierzehnjähriges Mädchen, das Töchter⸗ chen eines Nachbars, zur Geſellſchaft. Meine Wärterin ſei es durch Zufall oder Beſtellung traf mit einem Bur⸗ ſchen(wahrſcheinlich ihrem Geliebten) zuſammen, der ſie mit in ein Wirthshaus nahm, um ſie mit Bier und Kuchen zu regaliren. Während ſich das Pärchen in dieſer Weiſe im Hauſe luſtig machte, ſpielte außen das Nachbarstöchterlein mit mir und führte mich, ohne an etwas Böſes zu denken, durch den Garten und hinten hinaus in's Feld, wo uns meine Hüterin bald ſehen, bald nicht ſehen konnte.

Wie dieß nun ſo gehen mag wir begegneten, wie es ſcheint, Jemanden von dem Schlage Leute, die ſich ein Geſchäft daraus machen, kleine Kinder wegzuſtibitzen. Frei⸗ lich ein teufliſches Gewerbe, das übrigens in jenen Tagen, zumal an gut gekleideten kleinen Kindern, bisweilen aber auch an größeren, die man in die Plantagen verkaufen konnte, nicht ſelten geübt wurde.

*) Einem der äußeren Stadttheile Londons,