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laſſen Sie ſich darauf, ich werde Ihre Nachſicht und Schonung nicht mißbrauchen. Und Mißbrauch wäre es, wollte ich ihm nicht die ganze Wahrheit ſagen, ehe ich ein Wort des Vertrauens von ihm verlangte. Aber außer Ihnen habe ich keinen Freund oder Bekannten, und werde eben Ihretwegen ſchwerlich welche
ſuchen..
Ich wollte, ſagte Walter, Sie ließen mich Ihr Freund ſein. Ich habe es immer gewünſcht, Mr. Carker, Sie wiſſen es; aber nie ſo ſehr wie jetzt, wo wir ſcheiden.
Es genügt, ſagte der Andere, daß ich Sie im Geheimen als Freund betrachtet habe, und daß ſtets, wo ich Sie am auffällig⸗ ſten mied, mein Herz am ſtärkſten an Ihnen hing, und voller von Ihnen war als je. Walter, leben Sie wohl!
Leben Sie wohl, Mr. Carker. Gott ſei mit Ihnen, Sir! antwortete Walter bewegt.
Und wenn, ſagte der Andere, immer noch ſeine Hand feſt⸗ haltend, und wenn Sie bei Ihrer Rückkehr mich nicht mehr in der alten Ecke ſehen und von Jemanden hören, wo ich ruhe, ſo beſuchen Sie mein Grab. Denken Sie, daß ich ſo ehrlich und glücklich hätte ſein können, wie Sie! Und laſſen Sie mich den⸗ ken, wenn ich weiß, daß mein Stündlein naht, daß Einer, der meinem frühern Ich gleicht, einen Augenblick an meinem Grabe verweilt, und meiner mit Mitleid und verzeihender Liebe gedenkt!
Walter, leben Sie wohl!
Seine Geſtalt ſchlich wie ein Schatten die ſonnenhelle Straße hinab, die ſo freundlich und doch ſo feierlich ausſah im
klaren Scheine des Sommermorgens, und verſchwand langſam.
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