196
ſie, die gewoͤhnlich ſo blaß war, ward roth, ſie ſtreckte gegen ihren Verfolger eine vor Aufregung zitternde Hand aus und ließ mit einer ſtolzen Verachtung und Ent⸗ ſchloſſenheit die Worte fallen:
Handeln Sie nach Gutdünken, mein Herr, richten Sie eine arme Frau zu Grunde, die auf Erden ohne Schutz, ohne Stuͤtze, ohne Freunde iſt. Vertreiben Sie mich aus einer Familie, in welcher ich geehrt bin, geben Sie mich der Verachtung eines Mannes Preis, der für mich nur Gefühle des Wohlwollens hat, Sie haben es in Ihrer Hand und vermögen es. Indeſſen kennen Sie Chriſtine Orthez nicht, wenn Sie dieſelbe für fähig hal⸗ ten, ohne Rache zu fallen. Jetzt, da Sie mir Ihren Charakter enthuͤllt haben, fürchte ich Sie nicht mehr. Es muß auch in Ihrem Leben eine verwundbare Seite geben und die werde ich finden; ich werde mein ganzes Leben darauf verwenden, wenn es nöthig ſein ſollte, und dann werde ich Ihnen Ihr Verfahren gegen mich mit Wucher zurückzahlen, ſeien Sie ruhig. Das iſt Alles, mein Herr, was ich Ihnen antworten kann.
Und ſich mit herausfordernder Majeſtät gegen ihn verneigend, begann ſie wie ein ſcheues Reh der Stadt -luzulaufen. Der junge Mann blieb unbeweglich und ſchute der Fliehenden nach, ſo lange er ſie ſehen konnte. Als er ſie aus dem Geſicht verloren hatte, klatſchte er in die Hände und rief:
Dieſes Mädchen iſt zu ſchön, zu muthvoll und zu gewandt, als daß ich je auf ſie verzichten könnte; ſie muß mein werden.
Chriſtine brachte den Abend und die Nacht in einem Zuſtande zu, der unmöglich geſchildert werden kann; ſie hatte dieſem Manne in ſeiner Gegenwart die Stirne ge⸗ boten, ſie hatte ihn durch ihre Verachtung demüthigen, vernichten wollen; als ſie aber allein war, erkannte ſie ihre Ohnmacht den furchtbaren Mitteln gegenüber, über die er verfügen konnte. Sie ſah ſich verloren, mit Schande bedeckt, genöthigt, ſowohl das Haus Monza
4
einie geko die


