1.
Die Krone der Marquiſe.
Im October 1831, an einem jener ſchönen, ſo glän⸗ zenden zugleich und ſanften Herbſtmorgen, erſchien mit dem Glockenſchlag neun Uhr ein ehrwürdig ausſehender Greis in einem alten und adeligen Hotel der Straße Vendome. Der Thürſteher lief ihm entgegen, legte einen Finger auf den Mund und bat ihn, beim Weggehen über den Hof nicht laut zu ſprechen.
Das Fränlein iſt noch nicht erwacht, Herr Prä⸗ ſident, ſagte der Diener, und Sie wiſſen, wie ſehr die Frau Vicomteſſe darauf hält, daß man den Schlummer ihrer Tochter reſpectire.
Verzogenes Kind! murmelte der Präſident achſel⸗ zuckend. Werde ich deſſenungeachtet Jemand finden, der mich bei der Mutter anmeldet, oder ſchlafen etwa die Lakaien gleich ihrer jungen Herrin?
Die Lakaien müſſen im Vorzimmer ſein, mein Herr, aber ich wage nicht, die Glocke zu ziehen. Madame würde mich ſchelten.
Der Greis ſetzte ſeinen Weg fort, ſtieg die Stufen der Freitreppe hinan und traf in der Vorhalle eine be⸗ jahrte Wirthſchafterin, welche ein ſo großes Pack Lin⸗ nen trug, daß ſie der Laſt faſt erlag..
Guten Morgen, Frau Angela, ſagte er zu ihr. Ihr ſeid wohl ſehr beſchäftigt. Iſt Madame ſichtbar?
Die Frau Vicomteſſe ordnet im Salon die Aus⸗ ſtattung und den Brautſchmuck, damit das Fräulein


