Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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29. Eine Sage.

Mehrere Tage vergingen. Man richtete ſich ein, ordnete, machte ſich's behaglich, kehrte zu ſeinen alten Gewohnheiten zurück und mit Ausnahme von Beatrir war bald ein Jedes mit ſeiner Wohnung zufrieden. Uebrigens war die Stellung der verſchiedenen Perſonen zu einander eine ſeltſame. Jedes hatte ein Geheimniß, das es ſorg⸗ fältig verbarg. Man beobachtete, man fürchtete ſich, man verſchanzte ſich hinter die Verſtellung; es war ein wahrer, kleiner Gedankenkrieg, der ſich hie und da durch ein ent⸗ ſchlüpftes Wort, durch einige alsbald wieder unterdrückte Blicke oder Geberden kund gab.

An einem gewitterſchwülen Abend ließ man ſich Stühle auf die neben dem Zimmer der Marquiſe befindliche Ter⸗ raſſe tragen und athmete mit vollen Zügen die vom Strome herüberwehende erfriſchende Luft ein; der Mond glänzte und warf ſein ſilbernes Licht auf die Zinnen, die Wipfel der Bäume und die Schießſcharten der Mauern. Einige Nachtvögel kreiſchten im Thurme und von Zeit zu Zeit drang, vom Winde herübergetragen, das ferne Rauſchen des Waſſers zu ihnen. Es war einer jener melancholiſchen Abende, deren Reiz der deutſche Himmel verdoppelt; man träumte unwillkürlich und Träumerei lag allum verbreitet, in der Luft, auf dem Fluſſe, auf dem vom Thau funkeln⸗ den Raſen. Der Graf von Chamarante genoß dieſen Abend

Die blutige Marquiſe, Il. 1