Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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während Mabel jedesmal, wo er kam oder ging, einen tiefern Schatten auf ſeinem Geſicht bemerkte.

und noch auf einen Andern wartete ſie, der gar nicht kam; auf einen andern Schritt, deſſen eingebildeter Wider⸗ hall ſie manchmal auffahren machte; auf eine andere Ge⸗ ſtalt, welche ſie bei Tage nicht verließ und des Nachts ſich in ihre Träume ſtahl; aber der Schritt und die Geſtalt waren nur Erzeugniſſe ihrer Phantaſie. Wäre ein Brief oder nur eine Botſchaft gekommen, ſo wäre dies für ihr blutendes Herz einiger Troſt geweſen hätte Louiſe nur geſchrieben und beiläufig von ihren Reiſegefährten geſpre⸗ chen; aber nein, es kam nichts und Mabel ſah ſich zu dem Schluß gezwungen: er vertraut mir nicht, er hat mich vielleicht nie geliebt.

Sie bedurfte in der That ihres ganzen Glaubens, um ihren Muth in den vielen einſamen Stunden aufrecht zu erhalten, zu denen ſie jetzt verurtheilt war. Wie ſie durch die verlaſſenen Zimmer des geräumigen Hauſes wanderte, ſehnte ſie ſich manchmal nach dem leeren Geſchwätz Louiſens, den luſtigen Stimmen der Knaben und ſelbſt nach dem leichten Schritt und der plaudernden Zunge Cäciliens, damit ſie die traurige Stille und Einförmigkeit unter⸗ brechen möchten.

Aber in dieſen Zeiten trüben und einſamen Nachden⸗ kens, wo kein menſchliches Herz mit ihr fühlte, fing Mabel an zu lernen, wie wohl es thut, ſich an den immer gegen⸗ wärtigen Freund zu wenden, der zu ſeinen Kindern geſagt hat, kommet her zu mir, die ihr beladen ſeid, denn ich werde eure Laſt tragen; und oft, wenn ſie ſich über ihre Bekümmerniſſe erhob und ihre Einſamkeit vergaß, war ſie bereit, auszurufen: ich bin nicht allein, weil der Vater bei mir iſt.

Ende des erſten Bandes.