Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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4 der Pflicht erleuchten zu laſſen, erhob ſie ihr gebeugtes Haupt und ſchlug abermals das heilige Buch auf; aber diesmal fielen ihre Augen auf die Worte: denn wenn unſere Herzen uns verdammen, ſo iſt Gott größer, als unſer Herz und kennet alle Dinge. Als würde ſie ſich plötzlich und zum erſten Mal in ihrem Leben der unſichtbaren Gegenwart Deſſen bewußt, der in alle Herzen ſieht und alle Wünſche kennt, hörte ſie nun auf, mit ſich zu ringen, ſah um Hülfe hinauf zu ihm und ſchüttete ihr Herz im Gebet aus. Die Form, die Stellung, die Worte waren, wenn auch nicht vertraut, aber doch wenigſtens nicht neu Einer, die einer frommen Fami⸗ lie angehörte und die Wohlthat religiöſen Unterrichts ge⸗ noſſen hatte. Aber noch nie vorher hatte ſie mit aller Unterwürfigkeit eines Kindes vor Gottes Thron das auf⸗ richtige Opfer eines demüthigen, zerknirſchten Herzens nie⸗ dergelegt; noch nie hatte ſie ſich ihm in dem Geiſte der Selbſtaufopferung genähert, welcher ausrief: doch nicht mein, ſondern Dein Wille geſchehe. Und mit dem Gebet kam die Kraft. Sie ſtand auf, ausgerüſtet mit einem chriſtlichen Entſchluß und geſtärkt mit einer chriſtlichen Hoffnung; mit dem Entſchluß, dem Böſen offen entgegen zu treten; mit der Hoffnung, zuletzt über die Sünde zu ſiegen. Nicht allein ihre eigne Sünde hatte ſie ſo zu bekämpfen; denn in dieſer Stunde tiefſter Einkehr in ſich ſelbſt hatte ſie ſich einer heiligen Sache ge⸗ widmet und ein hochverantwortliches Werk unternommen. Nicht blos mit dem Wort und mit der Zunge, ſondern mit der That und der Wahrheit wollte ſie ſchweſterliche Hingebung beweiſen und für eines Bruders Rettung ar⸗ beiten. Mit ihrer Loſung: Pflicht, und ihrem Banner: Liebe, wollte ſie ſich kühn neben Harry ſtellen und mit 4 Gottes Segen der gute Engel werden, der ihn noch rettete. Nicht mit blindem Eifer oder in unüberlegter Hitze ¹ 2