Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

361

den, als ob er ſie in Verdacht habe, ſie wolle ſeinen gehei⸗ men Gedanken nachſpüren und ſah ſie mit finſterer und gebieteriſcher Miene an, als verlange er zu wiſſen, zu wel⸗ chem Zweck ſie komme.

Harry, ſagte ſie, während ihre Lippe von dem Be⸗ mühen bebte, in unbefangenem Tone zu ſprechen,ich konnte nicht den Gedanken ertragen, abzureiſen, ohne von Dir Abſchied zu nehmen; ſie legte dabei ſchmeichelnd ihren Arm in den ſeinigen und begleitete ihn ein paar Schritte im Zimmer auf und ab.

Das Geſicht trotzig von ihr abwendend, gab er blos zur Antwort:Du reiſeſt zeitig morgen früh ab?

Ja, und fürchtete, Du würdeſt nicht ſo früh auf ſein; aber Du ſchreibſt mir doch, Harry?

Ich weiß ja gar nicht, wo ich hinſchreiben ſoll, ant⸗ wortete er kurz.

Ich werde Dir die Adreſſe ſchicken.

Immer noch verſprach er Nichts.

Ich werde Niemanden haben, der mir ſchreibt; der Vater verreiſt auch, und ich habe mich immer auf Dich verlaſſen, Harry, ſetzte ſie in einem Tone hinzu, der ihm zeigen ſollte, wie großen Werth ſie auf ſeine Briefe legte.

Bah! rief er mit einem unruhigen Auffahren aus, das ſie bewog, ſeinen Arm los zu laſſen,ich werde Dir Nichts zu ſchreiben haben es wird Dir an beſſerer Un⸗ terhaltung nicht fehlen.

Wo gedenkſt Du hinzugehen? fragte ſie ſchüchtern.

Ich? ich weiß es noch nicht. Ich habe mich noch nicht entſchloſſen.

Sie wagte kaum, weiter in ihn zu dringen, ſo kurz war er in ſeinen Antworten. Sie trat an das Fenſter und ſah hinaus, ging dann an das Bureau und beſah ſich die verſchiedenen darauf liegenden Nippes in der Hoffnung, daß Harry ſelbſt wieder zu reden anfangen würde, aber er