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Dir zu Deinem Wohle geben kann und der ſicherſte für Dein Glück.
„Halten Sie mich für ſo ſelbſtiſch?“ rief Mabel aus, ſchmerzlich berührt von dem Tadel, welchen die Worte ihrer Lehrerin anzudeuten ſchienen,„o es gibt ſo Viele, die ich mehr und inniger liebe als mich ſelbſt!“
„Ich ſchreibe Dir keine unliebenswürdige Eigenſchaft zu, meine liebe Mabel, und Dein gutes Herz iſt immer ſprichwörtlich unter uns geweſen; aber wenn ich Dich auf⸗ fordere, Dir Liebe zu Andern einzuprägen, ſelbſt bis zum Vergeſſen Deines Selbſt, ſo darfſt Du meine Meinung nicht mißverſtehen. Eben weil es Dir ſo leicht und natürlich iſt, liebes Kind, Alle und Jedermann zu lieben, möchte ich Dich vor einer Zeit warnen, wo zu lieben, anſtatt daß es Dein Glück iſt und von Dir kein Opfer verlangt, für Dich eine Prüfung und ein Schmerz wird; und alsdann bitte ich Dich zu lieben, wie ein Weib lieben kann und muß. O Mabel, es gibt nichts ſo tückiſch Gefährliches wie Selbſt⸗ liebe, nichts ſo Edles und echt Weibliches wie die göttliche Liebe, welche ihr Glück in der Pflicht findet!“
Mrs. Herberts Stimme zitterte vor Rührung, als ſie ſo ſprach, und wäre noch Etwas nöthig geweſen, um ihre Worte Mabels Herzen einzuprägen, ſo wäre dieſer Mangel ergänzt worden, als ſie in das Antlitz ihrer verehrten Freundin blickte, und fühlte, daß ſie die Lehre, die ſie jetzt mit ſo großem Ernſte predigte, von der Erfahrung gelernt und durch treue Uebung bewährt hatte.
In dem Schmerz der Trennung von alten Freunden und den Freuden und Hoffnungen, die der Eintritt in ein neues Leben erwartete, verwiſchten ſich dieſe Lehre und die andere eben ſo eindrucksvolle aus ihrer frühen Kind⸗ heit, die ſich an ſie knüpfte, für eine Zeit lang aus Mabels Erinnerung. Aber ſie waren nicht verloren. Es gibt Lehren, welche unſere Herzen wie vom Himmel entſtammte


