Druckschrift 
Edward Myers oder Erinnerungen aus dem Leben eines Seemannes / hrsg. von James Feminore Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

‿n 8S0 ̈

X X

8

er

3⁵¹

ich mich wieder ſoweit erholt hatte, daß ich ausgehen durfte, pflegte ich mich häufig bis unter einen dieſer Bäume heranzuſchleppen und hier ſtundenlang mit Leſen oder Nachdenken beſchäftigt ſitzen zu bleiben. Der Platz war ganz geeignet, in einem Menſchen Reflexionen über die Hinfälligkeit irdiſcher Dinge hervorzurufen, da man nur von Tod und Krankheit umgeben war; ich ſah manch⸗ mal ſechs bis acht Leichname über dieſen Platz wegtra⸗ gen, während ich hier ſaß, und viele davon wurden überdies noch bei Nacht nach dem Todtenhauſe geſchafft. Hunderte, ja Tauſende lagen in dem Spital, und die Mehrzahl davon ſtarb.

Am Morgen des übernächſten Tages, nachdem ich von dem jungen Schotten Abſchied genommen hatte, ſaß ich, wie gewöhnlich, wieder unter dieſen Bäumen, als ich auf einmal ſah, wie etliche Kulies(Eingeborne des Sunda⸗ Archipels) einen Leichnam über den Platz trugen. Sie gingen nahe bei mir vorüber und einer der Kulies bedeu⸗ tete mir, daß es der Leichnam deſſelben jungen Mannes ſey, den auch ich gekannt habe. Er war kurze Zeit, nach⸗ dem er mich verlaſſen hatte, vom Fieber ergriffen worden, und nun war auf einmal all ſeinen Freuden und Hoffnun⸗ gen vom Leben ein Ziel geſteckt; wo waren nun ſeine Pläne auf zukünftige Neue?! Solche Ereigniſſe ſind keine Sel⸗ tenheit auf dieſer Inſel, allein auf mich machte die Bege⸗ benheit einen tiefen Eindruck; ſie diente dazu, meinen eige⸗ nen Entſchluß zu beſtärken und ich bin überzeugt, daß ich und meine Gefährten, deren Leben noch verſchont blieb, gro⸗ ßen Nutzen aus dieſen Beiſpielen zogen. Die Engländer genaßen alle und wurden entlaſſen. Chapman aber, der Ame⸗ rikaner, blieb noch zurück, denn das Javafieber und das Heimweh hatten ſeine Geſundheit tief untergraben. Mit dieſem armen jungen Manne nun betete ich täglich ſo gut ich es verſtand, und ich glaube, daß er hieraus und aus unſerem Bibelleſen nicht geringen Troſt ſchöpfte. Der Leſer- mag ſich denken, wie innig ſich ein Mann, der in fremdem Lande und mitten unter Göotzendienern auf den Tod krank