Teil eines Werkes 
9 (1851) Die Beweinte von Wish-Ton-Wish oder die Puritaner in Connecticut / von J. F. Cooper ; Aus dem Englischen von Dr. Gottfr. Friedenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

490

Zweiunddreißigſtes Kapitel.

Wo Schweigen herrſcht, da ſtirbſt Du nicht; Da fließt der Thräne Zoll herab;

Geliebt, bis reizlos wird das Licht; Betrau'rt, bis Mitleid ſinkt in's Grab.

Collins.

Eine Stunde ſpäter, und die Haupthandelnden der vorher⸗ gehenden Scene waren verſchwunden. Es blieben nur des Häupt⸗ lings Wittwe, Dudley, der Geiſtliche und Whittal Ring.

Conanchet's Leiche ſaß noch fortwährend an dem Platze, wo er verſchieden, gleich einem Indianerfürſten im Rathe. Die Tochter von Content und Ruth hatte ſich an die Leiche ihres Gatten herangeſtohlen, und ſaß ihr zur Seite, in jenen dumpfen Schmerz verſunken, welcher der ſtete Begleiter plötzlicher, darniederſchmet⸗ ternder Unglücksfälle zu ſeyn ſcheint. Sie ſprach nicht, ſchluchzte nicht, jammerte nicht; das Daſeyn des Schmerzes offenbarte ſich nicht an ihr anf die gewohnte Weiſe. Alle Regungen der Seele ſchienen gelähmt, das Bewußtſeyn von dem geſchehenen Streiche ſaß erſtarrend in jeder Linie ihrer ſo ſprechenden Phyſiognomie. Entflohen war die Farbe von ihren Wangen, das Blut von ihren Lippen, welche in Pauſen unwillkührlich bebten, wie an einem ſchlummernden Kinde, und ihr Buſen hob ſich nach längeren Zwi⸗ ſchenräumen, als kämpfte der Geiſt drinnen, ſein Gefängniß zu durchbrechen. Unbeachtet lag das Kind neben ihr. Whittal Ring hatte auf der andern Seite der Leiche Platz genommen.

Die beiden Männer, die von der Kolonie beauftragt waren, der Hinrichtung beizuwohnen, ſtanden unweit von dem Baume, und ſtarrten trauernd auf die Jammerſcene hin. Sobald der Verur⸗ theilte den Geiſt aufgegeben hatte, hörte der Geiſtliche zu beten auf; denn ſeinem Glauben nach, ſtand die Seele nun vor dem Richterſtuhle des Ewigen. Aber ſein Ausſehen zeugte jetzt mehr