welchem der alte Herr mich eingeladen, als das Schrei⸗ ben anlangte und die traurige Nachricht enthielt, daß der arme junge Freiherr auf einer ſeiner Reiſen im Innern des Landes an einem hitzigen Fieber ſchwer erkrankt ſei. Der alte Herr erſchrak darüber auf's Heftigſte, das ſah ich ihm an, obwohl er es zu ver⸗
bergen wußte; der Freiherrin Geſicht zog ſich freilich
auch in betrübte Falten, aber in den ſonſt ſo kalten grauen Augen blitzte es doch einen Augenblick gar ſon⸗ derbar auf. Der Blick der Augen läßt ſich nicht ſo leicht beherrſchen, wenn auch das Geſicht ſich in trau⸗ rige Falten legt und der Mund betrübte Worte der Theilnahme lispelt. Das Auge aber iſt der Spiegel der Seele, und von jener Zeit an wußt' ich, daß der
junge Freiherr an ſeiner Stiefmutter keine Freundin
hat, mag ſie ihm auch in's Geſicht ſchmeicheln und ſchön thun.“
„Aber der junge Freiherr ward doch wieder ge⸗ ſund?“ fragte theilnehmend der Wirth.
„J, das glaube ich. Friſch und geſund, zum Aerger ſeiner Stiefmutter. Wär' mir auch leid geweſen um ihn, war ein lieber junger Mann, ſah ihn oft als Knabe. Er ſoll ſo ziemlich gern fortgegangen ſein. Ja, mein Gott, ein rechtes Daheim hatte er doch ſeit dem Tode ſeiner rechten Mutter nicht mehr; ſeine


