Druckschrift 
Bärbchen das Hirtenmädchen : ein Seitenstück zu dem Jägermädchen / von Cramer
Entstehung
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Zwei Jahre eine Ewigkeit fuͤr das Herz eines Weibes, das ſeine jungfraͤulichen, kaum zur prachsvollen Entfaltung gediehenen, Reize auf eine ſo unbarmherzige Weiſe dahinſchwinden ſah und der vaͤterlichen Grille zum Opfer bringen mußte dauerte Juliens ungluͤckliche Verbin⸗ dung mit dem Sohne des erſten Miniſters. Waͤh⸗ rend dieſer traurigen Kataſtrophe ihres Lebens hatte ſie nicht ein einzigesmal Nachricht von dem geliebten Gegenſtande erhalten, nicht ein einzis gesmal das Pfand ihrer Liebe, die kleine Barba⸗ ea, geſehen und an ihr Mutterherz druͤcken koͤn⸗ nen. Abſichtlich hatte dieß ihr Vater zu verhin⸗ dern gewußt und eden ſo vorſichtig ihr jede Gele⸗ genheit benommen, von dem Leben und Aufent⸗ halte Kurts von Iſenburg Wiſſenſchaft zu neh⸗ men.

Itzt, da Ferdinand auf dem Siechbette lag und unten den heftigſten Schmerzen ſeine ausge⸗

laſſene, unbaͤndige Lebensart bereuete, blickte

ein Strahl der Hoffnung in Juliens Seele. Sie wurde Wittwe und ſah ſich durch dieſes Ereigniß mit einemmal des traurigen Jochs entledigt, das ſie bis hieher mit beiſpielloſer Geduld und Standa haftigkeit getragen hatte. Die ſchoͤne Roſenfarbe kehrte allmaͤhlig wieder auf die von Kummer ge⸗ bleichten Wangen zuruück und ihre Laune begann

heitener zu werden, ohnerachtet ſie weniger als

bi..