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Bärbchen das Hirtenmädchen : ein Seitenstück zu dem Jägermädchen / von Cramer
Entstehung
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ge ihres beſtimmten Liebhabers zu feſein und

Graf Ehrenſtein, einer der erſten und angeſe⸗ henſten Maͤnner im Staate, begieng die Thorheit, die Neigung ſeiner Tochter in der Wiege zu beſtim⸗ men und ihre Hand dem Sohne eines ſeiner Freunde zuzuſichern. ohne auf die mehr oder weni⸗ ger nachtheiligen Folgen Nuͤkſicht zu nehmen. Dies ſe Unbeſonnenheit war um ſo unverzeihlicher, je zwekmaͤſſiger ſelbſt ſeine eigene Erziehung geweſen war, je ausgebreiteter ſeine Kenntniſſe und der

8s Wirkungßskreiß, in dem er ſich erblikte aglaͤnzend und

viel umfaſſend war. Aber Geiz und Ehrſucht ver⸗ leiteten ihn, dieſen Schritt zu thun, in der ſchmei⸗ chelnden Vorausſezung, daß Julie dereinſt dem Sohne des erſten Miniſters gefallen muͤßte. Das Herz ſeines Kindes kam in keine Betrachtung; dieß ſchien ihm unter allen in den Weg tretenden Hin⸗ derniſſen das uͤberſteialichſte zu ſeyn Aber er dachte nicht daran, daß die bildende Natur, die maͤchtige Schoͤpferin weiblichen Reize, ihm den empfindlichſten Strich durch die Rechnung machen koͤnnte; daß Krankheiten und ahnliche un⸗ vermeidliche Zufaͤlle Juliens Schonheit fruͤher oder ſpaͤter, zerruͤtten und ſie dereinſt eben ſo haͤßlich, als ſchoͤn, werden koͤnnte. Er dachte nicht daran, daß bei der gluͤklichſten Bereinigung uͤberſchwenglicher Reize der Seele und des Koͤrpers Julie dennoch vielleicht nicht im Stande ſeyn koͤnnte das Au.