236
drang die Frau von Ritterſtein(denn dieſen Titel hatte Berthold durch ſeine Tapferkeit im Felde er⸗ worben), in ihn, noch einen Tag laͤnger im Schloſſe zu verweilen. Vom Erzaͤhlen ſchritt der Unbekann⸗ te zu Fragen, und ſtellte ſie ſo geſchickt, daß er bald die Geſchichte der ganzen Familie erfuhr. Ulrike nannte er zuletzt, und die juͤngeren Frauenzimmer des Schloſſes wollen bemerkt haben, daß ſich ſein Benehmen aͤnderte, als man ihm von ihrem fried⸗ lichen und frommen Hinſcheiden erzaͤhlte. Der Fremde verließ das Schloß, und man wuͤrde ſeines Beſuches wahrſcheinlich nicht wieder gedacht haben, wenn man nicht kurz darnach ſeinen Leichnam in der Huͤtte der Heidenmauer gefunden haͤtte. Die⸗ jenigen, welche gern das farbige Gewand der Ro⸗ mantik uͤber zarte Neigungen breiten, gefallen ſich
in dem Glauben, daß es der Einſiedler geweſen ſei,
welcher noch am Schluſſe ſeines langen Lebens Wonne darin geſucht haͤtte, ſeinen letzten Athem auf dem Platze auszuhauchen, wo er von dem We⸗ ſen, das er ſo beſtaͤndig und vergeblich geliebt hatte, fuͤr immer geſchieden war.
Auf dieſe Erzaͤhlung— wahr oder falſch— legen wir wenig Gewicht. Unſer Zweck war, in ei⸗ nem ſkizzirten Gemaͤlde des Lebens zu zeigen: die


