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war ihre Aufmerkſamkeit wieder auf den Platz ge⸗ lenkt, den ſie ſo eben geraͤumt hatten, ſo ſtießen Alle zu gleicher Zeit einen Schrei des Staunens und Schreckens aus. Da die Thore weit geoͤffnet waren, und der wilde Flammenſchein der brennen⸗ den Daͤcher jede Ritze in der Kirche erleuchtete, ſo konnten diejenigen, die ſich außen befanden, das Chor faſt ſo genau ſehen, als waͤre es hoher Mittag. Vater Johann kniete noch immer vor dem Altare.
Auf Befehl des Grafen waren die koſtbaren Al⸗ targeraͤthe weggebracht worden. Niemand aber hatte es gewagt, eine der Reliquien zu beruͤhren. Auf dieſe langverehrten Ueberreſte heftete der Benedicti⸗ ner ſeine Augen, in der feſten Ueberzeugung, daß fruͤher oder ſpaͤter die Macht Gottes ſich durch Vertheidigung ſeines entweihten Tempels kund ge⸗ ben wuͤrde.
»Der Moͤnch! der Moͤnch!« ſchrien hundert Stimmen.
»Ich moͤchte den Fanatiker gerne retten!« ſagte Emich tiefbewegt.
»Er wird auf einen Mann hoͤren, der dieſes heilige Zeichen traͤgt«, rief der Rhodiſerritter, indem er das Kreuz hervorzog, das er bis jetzt im Wamms verborgen hatte.»Will Jemand mit mir kommen, um dieſen wahnſinnigen Benedictiner zu retten 2⸗
In dem Benehmen Albrechts von Wiederbach lag eben ſo ſehr der Wunſch, den begangenen Fre⸗ vel in etwas zu ſuͤhnen, als Menſchengefuͤhl. Der Beweggrund aber, der Berthold vorwaͤrts trieb, ſtammte aus reinem Edelmuthe. Trotz der augen⸗ ſcheinlichen Gefahr ſtuͤrzten ſich beide in die Kirche,


