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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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ſollen aber wir folgen nicht immer den Geboten der Schicklichkeit in Sachen, wo das Herz ſo ſehr betheiligt iſt. Ich glaube gern, Sir, Ihr handeltet weiſer, hier bemerkte ich ein leichtes Lächeln, das um den hübſchen Mund meiner Mutter ſpielte, und ich begann zu vermuthen, daß der General in dieſem Punkte nicht pflichtge⸗ mäßer gehandelt habe als ichaber ich hoffe, dieſer mein Feh⸗ ler wird Entſchuldigung finden in Betracht der Macht einer Leiden⸗ ſchaft, welcher zu widerſtehen uns Allen ſo ſchwer wird.

Aber was iſt das Verhältniß, in welchem dieſe junge Lady zu meiner Familie ſteht, Mordaunt? Ihr ſeid doch nicht ſchon vermählt?

Keineswegs, Sir; ſo weit hätte ich nimmermehr die Rückſicht und Achtung vergeſſen können, die ich euch Dreien ſchuldig bin ja ſelbſt Anneken und Katrinken. Ich habe meinen Antrag gemacht und bin bedingter Weiſe erhört worden

Und dieſe Bedingung iſt

Die Einwilligung von euch Dreien; die völlige Zuſtimmung aller meiner nahen Verwandten. Ich glaube, daß Dus, die theure Dus, mich liebt, und daß ſie mir freudig die Hand reichen würde, wenn ſie gewiß wüßte, daß es euch angenehm wäre, aber daß kein Zureden von mir ſie, wenn dieß nicht der Fall wäre, je dazu be⸗ wegen könnte.

Das iſt Etwas, denn es beweist, daß das Mädchen Grund⸗ ſätze hat, verſetzte mein Vater.Ei, wer geht denn dort?

Ja wohl, wer ging dort? Da gingen Frank Malbone und Priscilla Bayard Arm in Arm, und ſo in's Geſpräch vertieft, daß ſie nicht ſahen, wer ſie beobachtete. Ich glaube faſt, ſie bildeten ſich ein, in den Wäldern zu ſein, geſchützt gegen neugierige Blicke, in völliger Freiheit herumzuſchlendern und ſich, ſo viel als ihnen beliebte, mit einander zu beſchäftigen; oder, was noch wahrſchein⸗ licher iſt, ſie dachten in dieſem Augenblicke an Nichts als an ſich. Sie kamen aus dem Hof heraus und ſchritten raſch in den Obſt⸗