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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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und legte ihren Arm in den ſeinigen, d. h. in denjenigen, der noch frei war).

Ei, Mord, mein Junge, du mußt ſehr wenig von dem feu⸗ rigen Blut der Littlepage's in dir haben, ſagte er,wenn du Tag für Tag ſolche weibliche Liebenswürdigkeit ſehen kannſt, wie jetzt in deiner Nähe iſt, ohne dein Herz zu verlieren..

Meine Großmutter wurde unruhig, und meine Mutter eben⸗ falls; und ich bemerkte, daß Beide der Anſicht waren, der General habe eine allzu kecke Demonſtration gemacht. Mit dem ihrem Ge⸗ ſchlecht eigenen Takt wären ſie wohl behutſamer zu Werke gegan⸗ gen. Ich ſann einen Augenblick nach, und entſchloß mich dann, ganz offen zu verfahren; denn der jetzige Augenblick war ſo paſſend als ein anderer, mein Geheimniß zu entdecken.

Ich möchte nicht unaufrichtig gegen Euch ſein, mein lieber Sir, antwortete ich,denn ich weiß, wie viel beſſer es iſt, offen zu ſein in Sachen, welche für eine ganze Familie ein gemeinſames Intereſſe haben, als den Geheimnißvollen zu ſpielen. Ich bin ein ächter Littlepage, was die Empfänglichkeit des Herzens für die Reize des andern Geſchlechts betrifft, und habe nicht in täglichem vertrautem Verkehr mit weiblicher Liebenswürdigkeit gelebt, ohne ihren Einfluß dergeſtalt empfunden zu haben, daß ich ein warmer Anwalt des Eheſtandes bin. Es iſt mein Wunſch, zu heirathen, und zwar noch ehe dieſer neue Wohnſitz zu Ravensneſt völlig her⸗ geſtellt ſein kann.

Der allgemeine Ausruf der Freude, der auf dieſe Erklärung folgte, klang meinem Ohr wie eine Todtenglocke, denn ich wußte wohl, es mußte darauf eine Enttäuſchung folgen, die in genauem Verhältniß zu den jetzt erweckten Hoffnungen ſtand. Aber ich war zu weit gegangen, um noch zurück zu können, und fühlte mich ver⸗ pflichtet, mich weiter zu erklären.

Ich fürchte, meine lieben Eltern und meine geliebte Groß⸗ mutter, fuhr ich fort, ſobald ich ſprechen konnte, die Nothwendigkeit