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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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merte ſogar öfters mehrere Minuten. Nicht lange jedoch vor Wiederanbruch des Tages wurde er ganz wach, und ſchlummerte nicht mehr, bis er in den langen, letzten Schlaf des Todes ſank. Seine Nichte betete mit ihm etwa um fünf Uhr; und nach dieſem ſchien er ſich als bereit zum Abſchied und Aufbruch zu betrachten.

Es war vielleicht die Folge des Alters des Leidenden, aber der Tod kündigte in dieſem Falle ſein Herannahen an durch ſchnel⸗ les Schwinden der Sinne. Zuerſt wurde ihm das Hören ſchwer, und dann verfiel ſchnell der Geſichtsſinn. Erſteres erkannten wir aus ſeinem öftern Wiederholen von Fragen, die man ihm ſchon mehr als einmal beantwortet hatte; während die ſchmerzliche Ge⸗ wißheit, daß das Geſicht, wo nicht ganz vergangen war, doch mehr und mehr verging, aus dem Umſtnde ſich ergab, daß, während Dus ſich wirklich wie ein ſchützender Engel über ihn hinbeugte, er ängſtlich fragte, wo ſie ſei.

Ich bin hier, Oheim Kettenträger, antwortete das liebe Mädchen mit bebender Stimme,hier, vor Euch, und im Begriff, Euch die Lippen zu befeuchten.

Ich brauche das Mädchen das heißt ich wünſche, daß ſie in meiner Nähe ſei, wenn der Geiſt zum Himmel aufſteigt. Laßt ſie rufen, Frank oder Mordaunt.

Lieber liebſter Oheim, ich bin jetzt ſchon da hier vor Euch am nächſten bei Euch von Allen beinahe in Euren Armen, antwortete Dus mit einer Anſtrengung, die ſie viel koſtete, ſo laut ſprechend, daß er ſie hörte.Glaubt nicht, daß ich Euch verlaſſen könne, als bis ich weiß, daß Euer Geiſt vor den Gnadenthron Gottes getreten iſt.

Das wußte ich, ſagte Kettenträger, und verſuchte ſeine Arme emporzuheben, um nach ſeiner Nichte zu taſten, welche ſeinem Beſtreben entgegen kam, indem ſie ſeine ſchwache und ſtarre Hand mit ihren beiden Händen faßte.Vergiß nicht meine Wünſche we⸗ gen Mordaunt's, Mädchen aber, ſollte die Familie einwilligen,