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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Ihr wißt, wie es mit mir geweſen iſt von meiner Kindheit an, denn oft und viel haben wir, Ihr und ich, über dieſe Sachen im Lager geſchwatzt. Ich ward jung in die Welt hinausgeſtoßen, mir ſelbſt überlaſſen, ohne Vater und Mutter, und mußte mir ſelbſt forthelfen. Ich war das einzige Kind meines Vaters, denn Dus iſt die Tochter einer Halbſchweſter, wie Ihr wißt, und ſo nahm ſich meiner Niemand mit beſonderer Sorge an, und ich wuchs auf in großer Unwiſſenheit und Unkenntniß des Herrn der Heerſchaaren und meiner Pflichten gegen ihn und ſeinen heiligen Sohn. Nun, Mordaunt, Ihr wißt, wie es in den Wäldern hergeht, und bei der Armee. Ein Mann braucht nicht eben ſehr ſchlimm zu ſein, um doch weit nicht ſo gut zu ſein, als der Allmächtige von ihm er⸗ warten und fordern kann, der ihm ſeine Seele gegeben und ihn von ſeinen Sünden erlößt hat, und ihm täglich die Gnadenmittel darreicht. Wie ich mit Dus hieher kam ein Kind beinahe weiß mehr vom eigentlichen Weſen der Religion als ich da wußte. Aber dieß koſtbare Mädchen iſt, durch die göttliche Gnade, das Werk⸗ zeug geweſen, um einen alten unwiſſenden Mann zum Bewußtſein ſeines wahren Zuſtandes zu bringen, und zu beſſern Lebensgewohn⸗ heiten als Ihr an mir kanntet. Sonſt liebte ich ein luſtiges Ge⸗ lage, Mordaunt, und Punſch und andere würzige Getränke waren mir ſehr angenehm; ja und ſogar noch, als die Jahre mich die Thorheit ſolchen Thuns und Treibens hätten lehren können und ſollen. Aber Ihr habt dieſen Sommer das Glas nicht an meinen Lippen geſehen, Junge, zu unpaſſenden Zeiten, oder unpaſſend oft, und das verdanke ich den Unterredungen, die ich mit Dus über dieſen Gegenſtand gehabt habe. Es hätte Euch im Herzen wohl gethan, Mordaunt, wenn Ihr das liebe Mädchen hättet auf meinem Knie ſitzen ſehen, meine alten grauen Haare mit ihren zarten weißen Fingern ſtreichelnd, und mit meinen rauhen rothen Wangen ſpielend, wie das Kind mit den Wangen der Mutter ſpielt, während ſie mir von der Geſchichte Chriſti ſprach und erzählte,