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gethan war, ihre Wirkung thun zu laſſen; und ich rechnete gar ſehr auf die Unterſtützung, welche ich mir von der Freundſchaft und den Vorſtellungen der Miß Bayard verſprach. Ich war überzeugt, daß die ganze Familie die Vereitlung ihrer Wünſche und Hoffnungen in Betreff Priscilla's lebhaft und tief empfinden werde; und es war mein Wunſch geweſen, Urſula ihr nicht vorzuſtellen und mit ihr bekannt zu machen, als bis die Zeit jene Gefühle etwas geſchwächt hätte. Aber jetzt mußte man eben der Sache den Lauf laſſen; und mein Entſchluß ſtand feſt, ſo aufrichtig und gerade als möglich über die Sache mit meinen Eltern zu ſprechen. Ich kannte ihre innige Liebe zu mir, und baute nicht wenig auf dieſe natürliche Hilfe.
Ich hatte eine halbſtündige Unterredung mit Dus, während ich in dieſer Nacht vor dem Spital auf und ab ſchritt, und Frank nahm inzwiſchen den Platz ſeiner Schweſter am Bette des Ketten⸗ trägers ein. Da ſprach ich ihr denn wieder von meinen Hoffnungen und kündigte ihr die Möglichkeit an, daß wir in kürzeſter Zeit alle meine nächſten Verwandten in Ravensneſt ſehen könnten. Ich hatte meinen Arm um den Leib des theuren Mädchens geſchlungen, als ich ihr dieſe Umſtände mittheilte, und ich ſpürte ihr Zittern, als fürchtete ſie die Prüfung, die ſie würde zu beſtehen haben.
„Das kommt ſehr plötzlich und unerwartet, Mordaunt,“ be⸗ merkte Dus, nachdem ſie einige Zeit gehabt, um ſich wieder zu faſſen und zu ſammeln;„und ich habe ſo viel Grund, mit banger Scheue dem Urtheil Eurer hochachtbaren Eltern entgegenzuſehen,— dem Eurer reizenden Schweſter, von welcher ich ſo oft gehört habe, von Priscilla Bayard,— und in der That dem Urtheil Aller, die ſo wie ſie in den Verhältniſſen eines feinen und gebildeten Geſell⸗ ſchaftskreiſes gelebt haben,— ich, Dus Malbone, die Nichte eines Kettenträgers, und ſelbſt eine Kettenträgerin.“ 3
„Ihr habt nie eine Kette getragen, Geliebte, die ſo dauernd oder ſo ſtark wäre wie die, welche Ihr um mein Herz geſchlungen habt, und die mich ewig an Euch binden wird, mag die übrige


