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unzuverläſſigſten Quellen geſchöpft hat, ſteht ruhig hin und ſieht zu, wie dieſer Nachchar beraubt wird, und ſagt nichts, weil ſein Zartgefühl ſo ſtark und mächtig iſt, daß es ihm verbietet, ſich in eine Sache zu miſchen, die nicht die ſeinige iſt.“
Damit der Leſer nicht glaube, ich ſei ungebührlich hart und ſtrenge mit dem Squire Neweome verfahren, will ich mich auf ſeine eigene Erfahrung berufen, und ihn fragen, ob er nicht,— ich will nicht ſagen Individuen, ſondern ganze Nachbarſchaften gekannt hat, welche die leidige Neigung hatten, die Privatangelegenheiten eines Jeden auszukundſchaften, und wohl auch zu erfinden, wenn die Thatſachen den Theorien nicht ganz nach Wunſch entſprachen, mit Einem Wort, welche ſich entſetzlich viel zu ſchaffen machten mit Dingen, die ſie in Wahrheit gar nichts angingen,— und welche eine würdevolle Zurückhaltung und Unparteilichkeit beobachteten, wenn ſie Zeugen waren von Unrecht aller Art, welchem ſich zu widerſetzen jeder ehrliche Mann die Verpflichtung hat! Ich will noch weiter gehen und fragen, wenn ein Mann Schritte thut, um das Recht zu behaupten, die Wahrheit zu verfechten, die Schwa⸗ chen zu vertheidigen und die Uebelthäter zu ſtrafen, ob dieſer Mann nicht gewöhnlich ein Solcher iſt, der bei den gewöhnlichen, gering⸗ fügigen Vorfällen des Lebens ſich am wenigſten einmiſcht,— ſeine Nachbarn am wenigſten ſtört und beläſtigt, und über ihre Privat⸗ angelegenheiten am wenigſten zu ſchwatzen hat? Geſchieht es nicht oft, daß eben das Individuum, welches ruhig daſteht und zuſieht, wenn ſeinem Nächſten Unrecht geſchieht, weil es nicht geneigt iſt, ſich in eine Sache zu miſchen, die es nicht angeht, einen großen Theil ſeiner Zeit damit hinbringt, die Privatangelegenheiten eben dieſes Beeinträchtigten zu beſprechen, Winke darüber fallen zu laſſen und ſonſt Gloſſen darüber zu machen?
Mr. Newcome war ſchlau, und er verſtand mich ganz gut, obgleich es ihm in ſeinen Aengſten vermuthlich ein Troſt war, zu bemerken, daß das Geſpräch ſich auf ſolche allgemeine Betrach⸗


