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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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ſelbſt hat geboten, daß das Weib ihrem Manne anhange, und Tauſendacres iſt mein Mann, und er iſt der Vater meiner Kinder, wenn er auch gemordet hat und dafür wieder ermordet worden iſt.

Es lag etwas ſo Gebietendes in der natürlichen Gemüthsbe⸗ wegung dieſes Weibes, daß die Wache an der Thüre ſogleich Platz machte, worauf Prudence in das Gemach trat. Der erſte Blick von des Squatters Weib fiel auf das Bett Kettenträgers; aber hier feſſelte nichts ihr Auge. Erſt da heftete ſich ihr Blick ſtarr auf ſeinen Gegenſtand, als ihr Auge auf die große Geſtalt Tauſend⸗ acres fiel, wie er auf ſeinem Sterbebett ausgeſtreckt da lag. Wahrſcheinlich erkannte dieſe erfahrene Matrone, die im Lauf eines langen Lebens Zeugin ſo vieler Zufälle und Unfälle geweſen, und an ſo manchem Bett geſeſſen war, den hoffnungsloſen Zuſtand ihres Gatten beim erſten Blick auf ſein verfallenes Geſicht; denn ſie wandte ſich gegen die Perſonen in der Nähe, und ihre erſte Regung war die, die Unbild zu rächen, die, wie ſie glaubte, ihr und den Ihrigen widerfahren ſei. Ich will geſtehen, daß mir un⸗ heimlich zu Muthe ward, und daß ein Schauer meinen Leib durch⸗ zuckte, als dieß rohe und ungebildete Weib, von den Gefühlen ihres Herzens gleichſam emporgehoben, mit gebieteriſchem Nach⸗ druck fragte:

Wer hat das gethan? Wer hat meinem Manne den Lebens⸗ odem geraubt vor der Zeit, die der Herr ihm geſetzt hatte? Wer hat gewagt, meine Kinder vaterlos und mich zur Wittwe zu ma⸗ chen gegen Geſetz und Recht? Ich habe meinen Mann verlaſſen, an dieſem Herde ſitzend, verſtört und bekümmert über das, was einem Andern zugeſtoßen, und ſie ſagen mir, er ſei auf ſeinem Stuhl ermordet worden. Der Herr wird am Ende auf unſerer Seite ſein, und dann werden wir ſehen, wen das Geſetz begün⸗ ſtigen und wen das Geſetz verdammen wird

Eine Bewegung und ein Stöhnen Tauſendacres' zeigte erſt, wie es ſchien, ſeinem Weibe, daß ihr Gatte noch nicht wirklich todt