Druckschrift 
Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

232

die Vergangenheit ſo ſchnell hätte vergeſſen werden können; und der Tag, an welchem der letzte Pachtvertrag unterzeichnet wurde, war ein Tag der allgemeinen Zufriedenheit. Ich dachte daran, ein Grundherrneſſen zu geben und die ganze Anſiedlerſchaft zum Behuf eines fröhlichen und freundſchaftlichen Zuſammenſeins zu mir zu laden; aber der alte Andries goß kaltes Waſſer auf meinen Vorſatz.

Das ginge an, Mortaunt, ſagte er,wenn Ihr nur mit ächten New⸗Yorkern oder Mittelſtaatenmännern es zu thun hättet; aber über die Hälfte von dieſen Leuten ſind aus den öſtlichen Staa⸗ ten, wo es keine ſolche Dinge gibt wie Grundherren und Pächter, in einem größeren Maaßſtabe, heißt das; und unter dieſen Allen iſt nicht Einer, der nicht im Schilde führte, dereinſt ſein Pachtgut als Eigenthum zu beſitzen, möge es ihm auf geradem oder auf krum⸗ mem Wege gelinge. Sie ſind ſo eiferſüchtig auf ihre Würde, als wenn Jeder von ihnen ein ganzer Obriſt wäre, und ſie werden Euch keinen ſchönen Dank ſagen für ein Mittagsmahl, bei welchem ſie die zweite Geige zu ſpielen ſcheinen.

Obwohl ich des Kettenträgers alte holländiſche Vorurtheile gegen unſere öſtlichen Brüder kannte, wußte ich doch wohl, daß, was er ſagte, viel Wahres enthielt. Frank Malbone, der in Rhode⸗Island geboren war, hatte dieſelbe Anſicht, wie ich bei näherer Erkundigung erfuhr; und ich war geneigt, mich ſeiner Meinung unterzuordnen. Frank Malbone war ſelbſt ein Gentle⸗ man, und Männer dieſer Gattung ſind in der Regel über kleinliche Eiferſucht erhaben; aber Frank mußte die Geſinnungen Derjenigen, unter welchen er geboren und aufgewachſen war, beſſer zu würdi⸗ gen wiſſen, als es für mich möglich war; demgemäß wurde der Plan mit der Mahlzeit aufgegeben.

Es blieb nun noch übrig, eine neue Uebereinkunft zu treffen und bleibend feſtzuſetzen mit Mr. Jaſon Newcome, welcher bei weitem der vermöglichſte Mann auf Ravensneſt war; denn er allein